Offenburg / Von Heinz Siebold  Uhr

Das alte Gefängnis in Offenburg hat die Türen aufgemacht. Im neuen Gewand natürlich und mit der Absicht, freiwilligen Gästen einen angenehmen Aufenthalt zu ermöglichen. Denn aus dem 1845 gebauten Knast wurde das Hotel „Liberty“. In eineinhalb Jahren wurde der Sandsteinbau, der über 160 Jahre lang eine feste Burg der Unfreiheit war zu einer Herberge der gehobenen Kategorie umgebaut. Die beiden Zellenbauten wurden durch einen Glaskubus verbunden, der im Erdgeschoss als Rezeption und als Gastronomiebereich dient. Die Küche mit dem ironischen Titel „Wasser und Brot“ - geführt von dem Sternekoch Jeremy Biasiol - soll regionale und globale Spezialitäten auf den Tisch bringen.

Der in Lyon geborene Küchenchef hat elf Jahre mit Top-Cusinier Alain Ducasse gearbeitet und ist nun nach einer langen Tour von Paris über New York und Shanghai nach Europa zurückgekehrt. Ebenfalls im Foyer angesiedelt ist die Bar mit dem programmatischen Titel „White and Brown“. Die Farben stehen für die Obstwässer der Region und Whisky und Rum aus fernen Ländern. Im Obergeschoss des Kubus bildet eine Lounge zum Verweilen zugleich den Übergang zu Konferenzräumen und den Zimmerfluren.

Gastronomie und Bar stehen der Öffentlichkeit genauso zur Verfügung wie den Gästen des Hotels, auf die 38 Zimmer und Suiten warten. Wie vorab angekündigt, ist auch nach dem Umbau deutlich, welchen Zweck die Gebäude früher einmal hatten. In den Fluren sind Zellentüren und in vielen Räumen ist die gewölbte Backsteindecke erhalten geblieben. Aus zwei bis drei Zellen wurden die Zwischenwände für die Zimmer herausgeschlagen. Es gab eine Reihe von Auflagen des Denkmalschutzes. Nicht nur aus baulichen Gründen, denn im ehemaligen badisch-großherzoglichen Gefängnis saßen nicht nur Kriminelle ein, sondern nach 1849 auch Offenburger Bürger wegen ihres Kampfes um Demokratie und Freiheit. Einer der letzten prominenten Insassen war der Flowtex-Chef und Betrüger „Big Manni“ Schmider. Nach dem Neubau einer modernen Justizvollzugsanstalt im Jahr 2009 auf der grünen Wiese wurde der alte Knast am Rande der Innenstadt geschlossen. Die Offenburger Unternehmer Christian und Dietmar Funk übernahmen den Bau, planten zunächst ein Boardinghaus und entschieden sich dann, ein Hotel zu planen.

„In den Mauern steckt unheimlich viel schlechte Energie“, fand Marc Aeberhard, als er den Posten des Hoteldirektors eher zufällig übernahm und sich zur ehrgeizigen Aufgabe machte, diese Atmosphäre „umzupolen.“ Der 49-jährige Schweizer ist Projekt- und Hotelmanager und war bereits weltweit unterwegs. Er hat an der Uni Bern und der Hotelfachschule Lausanne studiert und sich auf das Gründen und Führen von kleinen feinen Hotels in besonderen Lagen spezialisiert. Es sind luxuriöse Herbergen in Sri Lanka, auf den Seychellen, auf Zypern oder den Malediven. „Meine Herangehensweise“, betont er, „ist nicht, irgendein weiteres Luxushotel einzurichten.“ Sondern „eine ganz besondere Adresse zu schaffen“. Eine, die „für jeden Gast zu einem unvergesslichen Erlebnis“ werde.

Die Zimmer und Suiten sind entsprechend dem Anspruch und der anvisierten Zielgruppe mit größerem Budget hochwertig ausgestattet. Sie kosten zwischen 150 und 650 Euro die Nacht. Die Innenausstatter der Firma Knoblauch aus Markdorf am Bodensee haben keine Kristallleuchter oder goldene Wasserhähne installiert, sondern solides und modernes Mobiliar. „Swarowsk-Blingbling“ ist für Hotelchef Aeberhard sowieso megaout. „Der neue Luxus“, so der Experte, „ist Zeit, Freiheit, Sicherheit, Service und ein besonderes Erlebnis.“ Offenbar auch das Erlebnis, in ehemaligen Zellen zu übernachten, auf gediegener Bettwäsche, wie sie auch Tina Turner beim Schweizer Hersteller Schwob bezogen hat. Und mit Bädern und Badewannen aus bester Produktion. Gespart wurde nirgends, aber wieviel Geld das Hotel insgesamt gekostet hat, wollen die Offenburger Eigentümer nicht verraten. Für das Wohl der Gäste sorgt Aeberhards 25-köpfiges Team. Die Betreuung fängt, falls gewünscht, bei der Abholung am Bahnhof an. Die „Guest Services Officer“ sind allzeit dafür da, kulinarische oder organisatorische Wünsche rasch zu erledigen. Auch zum Beispiel Tickets für das Festspielhaus im nahe gelegenen Baden-Baden zu besorgen oder eine grenzüberschreitende Shopping-Tour nach Straßburg zu ermöglichen. Die verkehrsgünstige Lage am Oberrhein, wenige Kilometer von Frankreich entfernt, zwischen Baden-Baden und Freiburg, angeschlossen an das ICE-Netz und nahe am Baden-Airpark (Baden-Baden), ist für die Stadt an der Kinzig ein großes Plus, von dem auch das Hotel Liberty profitieren möchte. Zur besseren Vermarktung hat sich das „Liberty“ der internationalen Kette ‚“Design-Hotel“ angeschlossen, zu der Häuser mit besonderem Anspruch und hohen Qualitätsstandards gehören. Das Offenburger „Liberty“ ist übrigens nicht das erste und einzige Haus, das in einem ehemaligen Gefängnis entstand. Übernachtungen bieten auch das Elwe-Knast-Hotel in Kassel, das Alcatraz Hotel in Kaiserslautern, das Hotel Fronfeste Amberg, das Hotel Zum Amtsrichter in der Eifel und das Alte Amtsgericht in Petershagen an.

Gefängnishotels

Adresse
Hotel Liberty, Grabenallee 8, 77652 Offenburg, Telefon 07 81 / 28 95 30 00,
www.hotel-liberty.de.
Buchung direkt oder bei Design-Hotels,
www.designhotels.com. Preis ab 150 Euro
pro Person und Nacht ohne Frühstück.

Weitere Hotels in Ex-Gefängnissen
Alcatraz Hotel in Kaiserslautern,
www.alcatraz-hotel.com
Hotel Fronfeste Amberg,
www.hotel-fronfeste.de/
Hotel Zum Amtsrichter in Hillesheim in der Vulkaneifel,
www.amtsrichter.de
Altes Amtsgericht in Petershagen,
www.altes-amtsgericht-petershagen.de
Fronveste Meiningen,
www.fronveste-meiningen.de
Elwe-Knast-Hotel, Leipziger Str. 11,
34125 Kassel