Stille, Trubel, Gipfelfreuden

Von Claudia Bell 13.01.2018

Ein heißer Sommertag: Träge summen die Bienen, während sich die Vögel lieber in fauler Stille üben. Doch das ändert sich schlagartig, nachdem man vom Parkplatz im Örtchen Borgo Valsugana im Sellatal im Trentino bis zum Eingang des Künstlerparks Arte Sella gelangt ist. Denn plötzlich ist es angenehm kühl, eine leichte Brise weht durch das Gelände, und hier zwitschern auch die Vögel wieder. Hier, auf einer riesigen und teils bewaldeten Fläche, haben internationale Künstler seit 1986 eine ganz eigene, fast schon mystische Welt geschaffen.

Spektakuläre Kunstwerke aus bearbeiteten Hölzern, aus gebogenen Ästen und Zweigen oder aus Flechten sind hier zu bewundern, während man dem etwa einen Kilometer langen Rundweg auf Trampelpfaden folgt. Die meisten der Kunstwerke sind begehbar, wie etwa die aus bunten Hölzern gefertigte Installation „Trabucco di Montagna“ des niederländischen Künstlers Arne Quinze, der hierzulande vor allem als Ex-Mann von Barbara Becker bekannt wurde. Und wie alle anderen Werke in Arte Sella lebt auch Quinzes Kreation davon, dass sie sich im Laufe der Jahre durch den Einfluss der Natur immer weiter verändert.

Zurück auf dem Campingplatz am nur wenige Kilometer entfernten Caldonazzosee umfängt einen wieder das pulsierende Leben. Er ist der größte in Valsugana im Trentino und bekommt direkte Konkurrenz in Sachen Charme und Freizeitwert nur von seinem kleinen Bruder und Nachbarn, dem Levicosee. Elf Campingplätze gibt es an den beiden, von Berggipfeln umgebenen Seen - allein zehn davon am Caldonazzosee. Hierher kommen viele italienische Gäste, während der Hochsaison auch welche aus den Niederlanden, Deutschland und der Schweiz.

Mitte September beginnt für Campingplatzbetreiber wie Emanuele Chiesa die ruhige Zeit, wenn fast nur noch Einheimische ihre Runden im See drehen. Im Jahr 2004 hat der heute 37-Jährige die Leitung des Campingplatzes „Camping Mario“ in Caldonazzo von seinem Onkel übernommen. „Mein Onkel hat 1975 mit 40 Stellplätzen angefangen und alles selbst gemacht - von der Reinigung bis hin zur Büroarbeit“, erzählt der Campingplatz-Chef. Heute verfügt das Areal über 220 Plätze inklusive 56 Mobilheimen. Wenn er Reisemessen besuche, höre er alle immer nur über den Gardasee reden, erzählt Chiesa. „Aber wenn ich ihnen dann unseren See und die Umgebung auf Bildern zeige und davon erzähle, sind alle begeistert“, sagt er und lacht.

Gründe für einen Urlaub an „seinem“ See gibt es genug, denn auch Anfang September herrschen hier noch optimale Temperaturen, um sich in den etwa 23 Grad warmen See zu stürzen, aufs Surfbrett zu steigen, eine Radtour zu machen oder die Bergstiefel für eine Gipfeltour zu schnüren. Doch auch wenn sich das nach ganz großem Tourismus anhören mag: Trotz etwa einer Million Übernachtungen pro Saison gibt es hier keine Staus entlang der Straße rund um die Seen, die Preise in den Restaurants sind für italienische Verhältnisse noch immer moderat, und das Seeufer ist nie überfüllt.

Einen ganz anderen Charakter hat das Val di Sole, etwa eineinhalb Autostunden in nordwestlicher Richtung gelegen und vom Ortler-Cevedale-Massiv, der Adamello-Presanella-Gruppe und den Brenta-Dolomiten umgeben. Die Fahrt vom Campingplatz in Dimaro bis ganz hoch zum letzten Dorf des Seitentals Val di Rabbi nach Coler auf 1381 Meter Höhe ist überaus abenteuerlich und nichts für breite Autos: Eng schlängelt sich die Straße durch winzige Weiler, an deren uralten Stein- und Holzhäusern die Geranien um die Wette blühen und in denen man Bauern mit der Sense über der Schulter staunend hinterherblickt.

Auf dem Parkplatz hinter Coler ist die Welt dann buchstäblich zu Ende: Autos dürfen hier nicht weiterfahren. Vorbei an einem rauschenden Bach geht es in etwa 45 Minuten auf einem Wanderpfad sanft bergauf zur 1539 Meter hoch gelegenen Alm Stablasol. Hüttenwirt Loris Bonsani steht hinter dem Tresen und schenkt Getränke aus, die Terrasse ist gut besetzt. Zufällig ist auch Armando Dallavalle in der Hütte; er war Bonsanis Vorgänger und von 2007 bis 2016 der Chef auf Stablasol. „Ich habe es geliebt, diese Hütte zu führen - aber dann habe ich das Tourengehen vermisst und letztes Jahr alles verkauft“, erzählt der Bergführer, der mit einer Wandertruppe auf dem Weg von Meran nach Trento unterwegs ist.

Eine andere Gruppe kommt vom Berg, von dessen Höhe sich die fünf berühmten Saent-Wasserfälle stürzen. Wanderstiefel werden ausgezogen, verschwitzte Hemden gewechselt und tellerweise selbst gemachte Pasta und Knödel vertilgt - ehe es wieder nach unten geht, zurück in die Zivilisation und in den kühlen Pool des Campingplatzes.

Trentino

Unterkunft
Valsugana: Camping Mario in Caldonazzo, Stellplatz von 20 bis 62 Euro, Mobilheim
zwischen 40 und 148 Euro,
www.campingmario.com
Camping Village Lago di Levico, Stellplatz
zwischen 32 und 63 Euro,
www.campinglevico.com
Val di Sole: Campingplatz Dolomiti,
www.campingdolomiti.com

Essen und Trinken
Ristorante Europa in Calceranica am Caldonazzosee: leckere Pizza, Blick auf den See,
www.ristorante-europa.it. Malga Stablasol, tolle Hütte zum Einkehren mit bodenständiger Küche und herrlichem Blick auf die Berge.

Sehenswert
Das Naturkundemuseum Muse in Trento ist
die Schlechtwetter-Alternative für Familien, geöffnet dienstags bis freitags 10 bis 18 Uhr, sonn- und feiertags 10 bis 19 Uhr,
www.muse.it.
Kunstpark Arte Sella, geöffnet Januar, Februar, täglich von 10 bis 17 Uhr, im März, April, Mai und Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr, im Hochsommer von 10 bis 19 Uhr, www.artesella.it. Wer das Abenteuer liebt, sollte eine Raftingtour auf dem Fluss Noce im Val di Sole unternehmen. Die Touren sind auch für Kinder ab fünf Jahren geeignet, www.raftingcenter.it.
Mit der Trentino Guest Card erhält man Vergünstigungen und kostenfreie Eintritte. Sie ist auf den Campingplätzen erhältlich.

Allgemeine Informationen
www.valsuganacamping.it
www.visittrentino.info

CMT
Die Partnerregion Trentino ist in Halle 4,
Stand 4E20, zu finden.

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