Gerhard Rottinger hält es wie die meisten Ballonpiloten. Er legt großen Wert darauf, dass man vom „Fahren“ spricht. Im Ballon wird nicht geflogen. Dieser sprachliche Fauxpas kann, so man in geselliger Runde mit Ballonfahrern zusammensitzt, teuer werden. Schnell ist eine Saalrunde fällig. Alte Hasen wissen das, Neulinge kriegen es deutlich gesagt.

Südlich von Salzburg, wo das Salzburger Land auf die Steiermark trifft, liegt der Lungau. Das Ferien- und Skigebiet ist berühmt für sein Ballontreffen. Jedes Jahr im Januar wird in Mauterndorf Ballon gefahren. Auch Urlauber können mitfahren und die fantastische Winterlandschaft aus der Vogelperspektive erleben. Nachdem sich die Vormittagssonne über die Bergketten der Umgebung geschoben und zumindest einen Teil der minus 15 Grad aus der Hochebene bei Mauterndorf vertrieben hat, werden die Ballonfahrer munter. Auf dem Gelände des Segelflugplatzes dröhnen die Gebläse und Brenner. Stück für Stück werden aus den schlappen Hüllen schmucke Himmelsstürmer. Auch Gerhard Rottinger und seine Crew sputen sich. Solches Traumwetter muss man nutzen.

Schon bald hebt der Ballon ab. Bis auf über 3000 Meter steigt er in die Höhe. Mauterndorf mit seiner bekannten Burg wird zum Spielzeugland, und selbst die Bergwelt rund um Obertauern ist bestens zu sehen. Rottinger ist ein ganz erfahrener Mann am Brenner. Über 2000 Flugstunden stehen in seinem Pilotenheft. Oder sollte man lieber von „Fahrstunden“ reden? Sogar in Japan ist er schon mit seinem Ballon gefahren. Hier und jetzt ist der Mann vom Ballonclub Apfeldorf im Auftrag des Ballonvertrieb Kindermann aus Graz unterwegs. Die beiden Chefinnen der Firma, Mutter und Tochter Kindermann, halten die Fäden der Ballonwoche fest in der Hand. Manchmal nicht ganz einfach, denn mehr als andere „Luftfahrer“ sind die Ballonpiloten extrem vom Wetter abhängig. Fast steuerlos ziehen sie ihre Bahn. Wichtig ist, dass der Wind stimmt. Einmal oben, ist die mit 4500 Kubikmetern gefüllte Hülle zwar kaum noch anfällig, da treibt sie einfach mit der Luftströmung, doch zu Start und Landung muss es passen. Und auch die Windrichtung sollte stimmen. Wer will schon in einem Hochgebirgstal weitab von Wegen und Straßen die Reise beenden?

Über 20 Ballonteams aus drei Ländern hat es nach Mauterndorf gezogen. Da gibt es viel zu koordinieren. An diesem Tag stimmt alles. Eine perfekte Gelegenheit nicht nur zum Genießen, sondern man kann auch schon mal etwas genauer hinsehen, wo mögliche weitere Touren hinführen könnten.

Gut gelandet und zünftig „ballongetauft“ wartet schon am Nachmittag eine Führung durch die Burg, die oberhalb von Mauterndorf über dem Ort thront. Auch manches Ballonteam, das zum ersten Mal in der Region ist, lässt sich eine Stippvisite nicht entgehen. Bereits vom Ballon aus hatte sich Lessach als malerisches Seitental empfohlen. Dort gehört der Aufstieg zur Wildbachhütte dazu. Sechs Kilometer und reichlich 600 Höhenmeter sind der Anmarschweg zur Hütte und die besten Voraussetzungen, dass Kaiserschmarren oder Brotzeit so richtig schmecken. Dafür sorgen seit über 30 Jahren Gerlinde und Jakob Kocher. Mit Leidenschaft kümmern sich die beiden um ihre Gäste, im Winter sind das vor allem Skitourengeher und Familien auf Rodelwegen. Direkt an der Hütte startet die rund drei Kilometer lange Rodeltour hinab ins Tal. Schlitten gibt es an der Hütte. Eine der Zusatzaufgaben für Jakob Kocher, denn die müssen am Abend natürlich alle wieder hochgeholt werden. Für ihn samt Traktor freilich kein Problem.

Am Abend dann, die Ballone sind natürlich fertig für den nächsten Start, treffen sich die Teams zum gemütlichen Tagesausklang. Da macht manch Schabernack die Runde und trifft den einen oder anderen, der wohl nicht ganz so gelandet ist wie geplant. Die Erlebnisse des Ballontages werden ausgetauscht. Und schon am Abend wandern die Blicke fragend auf die Wettervorhersage. Es sieht gut aus, und so werden auch am nächsten Tag noch vor Sonnenaufgang die Brenner ihre Feuerzungen in die Ballonhüllen richten.

Lungau


Anreise
Mit dem Auto auf der A 8 über München bis Salzburg, von dort auf der A 10 bis zur Autobahnabfahrt St. Michael/Lungau. Von dort weiter auf der B 99 nach Mauterndorf. Mit
dem Zug muss man in München und Villach umsteigen (www.bahn.de). Ab Tamsweg
weiter mit dem Bus.

Unterkunft
Das Hotel Neuwirt in Mauterndorf ist ein
gemütliches, komfortables Haus am Fuße
der Burg, DZ/HP ab 60 Euro pro Person,
www.hotelneuwirt.at.
Hotel Stegmühlhof liegt ruhig und bietet den modernen Komfort eines Vier-Sterne-Hauses. DZ/HP ab 85 Euro pro Person,
www.stegmuehlhof.com.

Ballonbuchung
Die nächste Ballonwoche in Mauterndorf
findet vom 13. bis zum 20. Januar 2018 statt, www.mauterndorf.at. Eine Mitfahrt kann man vor Ort anfragen oder sich bereits im Vorfeld anmelden. Kontakt über den Tourismus-
verband, Tel. 00 43 / 64 72 / 79 49, info@
mauterndorf.at. Ballonfahrer sind extrem von der Witterung abhängig. Es kann daher keine Garantie für eine Fahrt zum Wunschtermin
gegeben werden. Der Preis pro Fahrt liegt bei 190 Euro pro Person. Eine Alpenüberquerung, die noch mehr vom Wetter abhängig ist, schlägt mit 280 Euro zu Buche.

Weitere Veranstaltungen (Auswahl)
Ballonfestival Tannheimer Tal,
13. bis 28. Januar 2018,
www.ballonfestival-tannheimertal.de
Balloon Trophy Filzmoos,
13. bis 20. Januar 2018, www.filzmoos.at
Alpin Ballooning Kaiserwinkl,
20. bis 27. Januar 2018, www.kaiserwinkl.com
Balloonalps Zell am See,
3. bis 10. Februar 2018, http://balloonalps.com
Achensee Ballontage,
5. bis 11. März 2018, www.achensee.com

Allgemeine Informationen
Ferienregion Lungau, www.lungau.at