Deutschlands Südseetraum

Von Helgard Below 16.12.2017

Der Strand des Paradieses ist aus Pudersand. Kokospalmen säumen die Ufer und schwarze Lavafelsen teilen den Südpazifik in türkisblaue Buchten. Genauso wie damals, 1953, als Gary Cooper an diesem Strand den Weltenbummler Morgan spielte. Im Abenteuerfilm „Return to Paradise“ tritt er gegen einen Pastor an, der die Einheimischen unterdrückt, und verliebt sich in die Südsee-Schönheit Roberta Haynes. Heute wie damals brechen sich hohe Wellen am Korallenriff weiter draußen, dort, wo Insulanerin Haynes in ihrem Auslegerkanu fast ertrank, Fregattvögel am aquamarinblauen Himmel segeln und im Wasser sich tropische Fische tummeln. Und abends ertönen Trommeln, samtige Stimmen und die klagende Ukulele, wie in der Szene, in der Cooper und Haynes sich küssten.

Das gleichnamige Return to Paradise Resort allerdings gründete Ramona Su’a Pale Gilchrist, die Tochter des damaligen Soundmasters, erst vor wenigen Jahren. Seine Geschichte ist ein typisches Beispiel für Abläufe in Samoa. Über 40 Jahre lang hatten internationale Investoren und Hotelketten versucht, das Land an einem der schönsten Strände Samoas zu pachten, doch die Dorfhäuptlinge hatten sich dagegen entschieden, um ihre Lebensweise und Kultur zu schützen. „Erst als wir Samoaner uns zur Hotelgründung entschlossen, waren sie einverstanden“, erzählt Ramonas Tochter Saini lächelnd. So gehört das Hotel Familien aus dem nahen Dorf Matautu-Lefaga, wurde von ihnen erbaut, wird von ihnen betrieben.

Die frühere deutsche Kolonie Samoa in Polynesien besteht aus den großen Vulkaninseln Upolu und Savai’i sowie acht teils unbewohnten Korallen-Eilanden. Rund 190 000 Einwohner leben in blütengeschmückten Dörfern (Hibiskus ist berühmt) mit frei laufenden Schweinen und wohnen in einfachen „Fale“, windgekühlten Häusern ohne Wände. Ein paar Hinterlassenschaften der Deutschen sind auch nach über 100 Jahren noch auszumachen. Sie legten die akkurat gepflanzten Kokosplantagen an, das örtliche Vailima-Bier wird nach deutschem Reinheitsgebot gebraut und im Telefonbuch der Hauptstadt Apia findet man noch immer eine ganze Reihe Krauses, Meyers und Schusters, Nachfahren deutscher Kolonialherren.

Samoa ist bis heute für viele der Inbegriff des Südseeparadieses. Robert Louis Stevenson, Autor des Abenteuerromans „Die Schatzinsel“, besuchte die Inseln auf einer Südseekreuzfahrt - und ließ sich für seine letzten Lebensjahre auf Upolu nieder. Dort, wo er „das Leben am angenehmsten und die Menschen am interessantesten fand“, wie er in seinen Aufzeichnungen schreibt. Seine schmucke Holzvilla ist heute Museum. Auch auf andere Besucher haben die zehn Pazifikinseln eine ungeheure Anziehungskraft: üppige Regenwälder, Traumstrände und glückliche Menschen. Sie halten nicht allzu viel von westlichen Errungenschaften, sehen ihre Kultur als ebenbürtig und zeigen sie gerne und bei jeder Gelegenheit.

An diesem tropisch-heißen Abend bläst ein muskulöser Mann das Muschelhorn und ruft damit zur „Fiafia“, zu traditionellem Tanz und Musik. Die Insulanerinnen tragen weiße Blüten im schwarzen Haar und singen romantische Weisen zu Trommeln und Ukulele, harmonisch und anrührend wie die hawaiianische Version von „Over the Rainbow“. Nicht von ungefähr, denn Samoa und Hawaii verbindet über 4000 Kilometer Ozean hinweg die polynesische Kultur. Anmutig wiegen sie sich zur Musik wie die Palmenblätter im Abendwind. Die Arme formen sanfte Wellen, ähnlich jenen, die 20 Meter weiter an den Strand schwappen. Mit ihrer Hingabe und ihren Stimmen könnten sie Steine erweichen und wie Sirenen Schiffe anlocken. Die Männer wirken kriegerischer, sie stampfen mit den nackten Füßen auf, stoßen rhythmische Rufe aus und hauen sich wie bei einem Schuhplattler auf die Schenkel. Dann heißt die Tochter des Familienoberhaupts mit der Kava-Zeremonie die Gäste willkommen. Das Besondere: Dies ist kein Touristenspektakel, sondern gelebte Kultur.

Die 3000 Jahre alte Lebensart der Samoaner, genannt „Fa’a Samoa“, wirkt auch auf die Besucher. Solche Zeremonien lassen sie am Lebens- und Glücksgefühl der Samoaner teilhaben. Denn das Leben hier ist nicht schwer, sondern leicht. „Warum wir glücklich sind?“, fragt Leota’lu, „Wir schlafen viel, trinken jeden Tag Koko Samoa, Tee aus gemahlenen Kakaobohnen, und sorgen uns nicht ums Geld!“ Unter dem bunten polynesischen Männerrock des 70-Jährigen schauen die grafischen Muster der traditionellen Tätowierungen hervor, von den Knien bis über die Hüfte. Sie werden in einer tagelangen Tortur angefertigt und sind eine Art Initiation.

Leota’lu hat Verantwortung übernommen, er ist der „Matai“ des Dorfes Manase auf Savai’i. Das Clanoberhaupt regelt alle Belange der Großfamilie, von der Aufteilung der Ländereien über die Verwendung der Löhne bis zum Kauf eines Fischerbootes. Sein und das Lebensziel der meisten Menschen hier ist nicht persönlicher Erfolg, sondern der Dienst an der Gemeinschaft. So gelingt es ihnen, weitgehend autark zu leben. Das Meer ist voller Fische und ganzjährig hohe Temperaturen und Niederschläge lassen auf den fruchtbaren Vulkanböden Pflanzen sprießen wie in einer grünen Hölle.

In der grünen Wildnis des Inselinneren finden Einheimische und Touristen zudem Erholung und Erfrischung. Fast jeder Pfad durch den Dschungel führt zu einem Wasserfall. Das To Sua Ocean Hole birgt ein unterirdisches Schwimmerlebnis der besonderen Art. Dieser magischste aller natürlichen Swimmingpools auf Samoa liegt in einem gigantischen, 30 Meter tiefen Loch im Fels und ist nur über eine schmale Stiege in den Untergrund erreichbar. Noch mehr Aufregung bieten die Papase’ea Sliding Rocks, natürliche Wasserrutschen, die von kleinen Wasserfällen gebildet werden.

Samoa

Anreise
Samoa ist nur 3,5 Flugstunden von Neuseeland und fünf von Australien entfernt, eine Verbindung mit einer Australien- oder Neuseelandreise bietet sich an. Virgin Samoa, Air New Zealand, Fiji Airways und Polynesian Airlines fliegen von Neuseeland, Australien, Hawaii, Fidschi und Amerikanisch-Samoa nach West-Samoa.

Reisezeit
Beste Reisezeit sind Juni und Juli, die Regenzeit geht von November bis Dezember. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei
27 Grad.

Sicherheit/
Gesundheit

Tropische Krankheiten und Kriminalität sind praktisch unbekannt, nur Stürme verwüsten von Zeit zu Zeit Teile des Landes.

Unterkunft
In den luxuriösen Beach- und Wasserbungalows des Coconuts Beach Club Resort and Spa residiert man an einem herrlichen Strand an Upolus Südküste, ohne TV, aber mit direktem Anschluss an eine dörfliche Gemeinde, die in Bräuche wie Kochen im Erdofen und Tänze einführt, ab 360 Euro im Doppelzimmer mit Frühstück, www.cbcsamoa.com. Le Lagoto Resort & Spa auf Savai’i bietet zwölf edle, mit Holzschindeln gedeckte Bungalows im tropischen Garten direkt am Meer ab 145 Euro pro Nacht, www.lelagoto.ws. Im Return to Paradise Resort logiert man am durch Hollywood bekannt
gewordenen Strand in Beachfront-Zimmern, Suiten oder Villen ab 300 Euro pro Nacht,
www.returntoparadiseresort.com.

Veranstalter
Der Reiseveranstalter Karawane hat mehrere Südsee-Reisen im Programm, z. B. 30 Tage „per Postschiff durch die Südsee“ ab 12 650 Euro mit Flügen (ohne Samoa), 20 Tage „Südsee-Symphonie“ mit Hawaii, Samoa und Fidschi ab 5464 Euro mit Flügen oder acht Tage „Höhepunkte von Samoa“ ab 1609 Euro ohne Flug, www.karawane.de. Pacific Travel House bietet eine 18-tägige Samoa-Mietwagen-
Rundreise mit Flug, Fähre und Übernachtung mit Frühstück ab 3305 Euro pro Person, oder eine 23-tägige Rundreise mit Hawaii, Samoa und Amerikanisch-Samoa, Preis auf Anfrage, www.pacific-travel-house.com. Die Firma Polynesia Select wiederum ist Spezialist für individuelle Reisen in die Südsee, von Kreuzfahrten über Hochzeits- bis Tauchreisen wird alles arrangiert was Reisende sich wünschen,
www.polynesia-select.de. Die deutsch-samoanische Familie Kappus organisiert Reisen mit tiefem Einblick in die Kultur des Landes,
www.samoa-reisen.de

Allgemeine Informationen
Samoa Tourism Authority,
www.samoa.travel

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