Es ist noch sehr früh an diesem Mittwochmorgen. Die Sonne lugt zögerlich hinter dem Kirchturm der Pfarrkirche Nostra Senyora dels Angels hervor. Tische klappern, Gerüste knarren, Tüten knistern im Wind. Die ersten Markthändler sind bereits da. Eine Dame mit grau melierten Haaren und einer Blümchenbluse drapiert liebevoll ihre Gemüsesorten. Die bereits portionierten Pilze finden ihren Platz neben den Artischocken, die knallroten Tomaten ihren neben dem Spinat und die Radieschen dürfen sich über den Rettich als Nachbar freuen.

Auf einer kleinen Bank im Zentrum an der Plaza de San Marco sitzen zwei ältere Mallorquiner und schauen dem bunten Treiben zu. Von Touristen noch keine Spur. „Hola, José, wie geht es dir? Heute brauche ich sechs Kilo Erdbeeren!“ Der Besuch auf dem Wochenmarkt in Sineu im Inselinneren gehört für Maria Solivellas einfach dazu. „Ich komme immer frühmorgens her, bevor der ganze Trubel losgeht und Sineu kopfsteht.“ Normalerweise wird diese Region, die zwischen den großen Überlandstraßen von Palma und Inca nach Manacor liegt, nur wenig besucht. Anders verhält es sich an einem Mittwoch. Dann kommen von der ganzen Insel Besucher in die kleine Stadt und erkunden den größten Markt Mallorcas. José hält Maria die vollbepackten Tüten hin. „Welches Dessert zauberst du denn heute?“ Maria lächelt: „Das verrate ich dir nicht! Da musst du schon selbst vorbeikommen!“ Gemeinsam mit ihrer Schwester Teresa betreibt die 44-Jährige das Restaurant Ca Na Toneta in dem kleinen Dorf Caimari am Fuße der Tramuntana-Berge. Das Restaurant ist bekannt für seine Überraschungsküche, und das schon seit 20 Jahren. Maria und Teresa Solivellas übernahmen es 2001 von ihrer Mutter Catalina und führen es mit genauso viel Liebe fort. Es befindet sich in einem typisch mallorquinischen Dorfhaus ganz in der Nähe des Marktplatzes in einer engen Seitenstraße. Lediglich die blauen, an die Fassade gepinselten Buchstaben lassen erkennen, dass es sich hier nicht um ein Wohnhaus handelt.

Während sich Teresa mit viel Leidenschaft um den Service und die Gäste kümmert, behält Maria die Küche fest im Griff. Dabei hat die einstige Filmproduzentin das Handwerk nie professionell erlernt. Ihre Mutter führte sie erst im Alter von 31 Jahren in die hohe Kunst des Kochens ein. Das Besondere: Eine Speisekarte suchen Gäste hier vergeblich. Die Solivellas-Schwestern tischen kreative Sechs-Gänge-Menüs mit Saisonprodukten aus dem eigenen Gemüsegarten oder von lokalen Erzeugern auf - häufig vom Markt in Sineu. Gekocht wird ausnahmslos mit Produkten von der Insel.

Im Restaurant folgt man so wie früher einfach dem Rhythmus der Jahreszeiten. Ganz simpel. Slow Food also. Die zierliche Köchin steht damit für einen Trend auf der Baleareninsel. Gerade die Einheimischen legen besonders viel Wert auf die Qualität und Herkunft ihrer Produkte. Möglichst wenig importieren lautet die Devise. „Auf Mallorca wachsen so viele tolle Früchte und Gemüsesorten, wohnen die glücklichsten Rinder und Schweine, und vor der Küste leben die köstlichsten Fische“, stellt Maria fest. „Durch unser Essen möchten wir ein Stück Mallorca auf den Teller bringen. Was gibt es Einfacheres, als auf das bereits Vorhandene zurückzugreifen?!“

Genauso sieht das auch das deutsch-mallorquinische Paar Christoph Hafner und Carme Verdaguer. Während eines Hamburg-Urlaubs mit ihren beiden Kindern entdeckten sie die Szene-Limo Fritz Kola. Das Konzept inspirierte sie sofort und brachte sie auf eine Idee: Auf Mallorca gibt es einen Überschuss an Zitronen und Orangen, die nicht genutzt werden. Viele fallen schlichtweg durch das Schönheitsraster der großen Supermarktketten, und so werden jedes Jahr Tonnen einfach weggeworfen. Warum machen wir daraus nicht einfach eine leckere Limonade? Gesagt, getan: Pep Lemon war geboren. Seit Frühjahr 2014 wird die Brause hergestellt. „Die Zukunft ist lokal“, sagt der 53-jährige Schwabe aus voller Überzeugung. Und das spiegelt sich im gesamten Verarbeitungsprozess wider: „Für die Herstellung haben wir uns lokale Partner gesucht, die zu uns passen. Wir beziehen die Früchte über eine lokale Agrarkooperative. Diese werden dann liebevoll von Jugendlichen in einer Behindertenwerkstatt weiterverarbeitet, und der letzte Mohikaner, die letzte unabhängige Abfüllanlage Mallorcas, die noch mit Pfandglasflaschen arbeitet, sorgt schließlich dafür, dass das Getränk in die Flaschen gelangt.“

Auch der Markenname riecht nach Lokalpatriotismus, denn Pep ist neben Toni einer der beliebtesten spanischen Vornamen. Was klein in der heimischen Küche anfing, ist mittlerweile inselweit bekannt. „Pro Jahr verkaufen wir aktuell 120 000 Flaschen. Pep Lemon gibt es bereits in vielen Cafés und Bars. Auch die große schwedische Möbelhauskette haben wir schon erobert“, sagt Hafner lachend. Die gebürtige Mallorquinerin Carme und ihr Mann machen genau das, was sie tun möchten. Hier in ihren Büroräumen in der kleinen Gasse Sant Feliu gemeinsam mit all den Yogis, Architekten und einem Bike-Doktor, die sich hier mit der Zeit angesammelt haben, bilden die kreativen Gründer von Mallorcas lokaler Brause ein angenehmes Kontrastprogramm zu Palmas luxuriöser Seite.

Mallorca


Anreise
Mit Lufthansa (www.lufthansa.com), Condor (www.condor.de) oder Ryanair (www.ryanair.de) ab allen großen deutschen Flughäfen nach Palma.


Unterkunft
Nakar Hotel ist ein stylishes Designhotel im Zentrum von Palma. Auf der Dachterrasse gibt es einen Infinity-Pool mit spektakulärer Aussicht. Doppelzimmer inklusive Frühstück ab 172 Euro pro Person, www.nakarhotel.com.
Lazy Finca ist ein kleines, authentisches Finca-Hotel in der Nähe des Örtchens Felanitx. Sonntags kommen Burger- und Gin-Fans beim Barbecue voll auf ihre Kosten. Sieben Übernachtungen im DZ inklusive Frühstück kosten ab 429 Euro pro Person, www.lazy-finca.com.
Sa Fita Backpackers befindet sich in einem typischen Stadthaus, das zu einem kleinen Hostel umgebaut wurde. Eine Übernachtung im DZ (es gibt allerdings nur ein einziges, alles andere sind Mehrbettzimmer) ab 69 Euro pro Person, www.safitabackpackers.com.

Essen und Trinken
Ca Na Toneta ist ein kleines familiäres Restaurant mit Überraschungsküche im kleinen Ort Caimari am Fuße der Tramuntana-Berge, www.canatoneta.com.
Im Restaurant The Kitchen in der Altstadt von Palma kombiniert Koch und Inhaber Simon Petutschnig das Beste des Mittelmeers mit einen asiatischen Touch - Feinschmecker genießen täglich ein abwechslungsreiches Menü aus frischen, lokalen Zutaten,
www.thekitchenpalma.com.
Das Restaurant Sa Foradada liegt mit wunderbarer Aussicht auf das Mittelmeer zwischen Valdemossa und Deìa. Das Restaurant ist nur zu Fuß oder mit dem Boot erreichbar. Aber keine Sorge: Der steinige, serpentinenreiche Weg ist auch für ungeübte Wanderer problemlos zu meistern - die Tour dauert etwa eine Stunde. Die Mühe lohnt sich: Die Paella - eine der nbesten der Insel - wird über offenem Feuer zubereitet. Frischer als hier können die Meeresfrüchte fast gar nicht sein, denn es sind nur ein paar Meter von der Anlegestelle bis zum Restaurant: www.saforadada.com.

Was Sie tun und lassen sollten
Auf keinen Fall in die Schinkenstraße fahren, sondern sich lieber das Inselinnere ansehen. Hier lernt man die wahre Schönheit der Baleareninsel kennen - Mallorca ist weit mehr als Ballermann und Co. Auf jeden Fall die dörfliche Gemeinde Esporles besuchen. Sie liegt malerisch eingebettet im Tramuntana-Gebirge. Sangria-Eimer und Currywurst sucht man hier vergebens.

Allgemeine Informationen
Fomento del Turismo de Mallorca,
www.fomentmallorca.org
(auf Spanisch) bzw. auf Deutsch unter
www.spain.info