Käfer sausen im Sommerwind an einer Hainbuchenhecke vorbei. Im Wald ist das Rauschen der Bäume zu hören. In der Nähe kräht ein Hahn, als sich ein roter Honda auf dem Waldweg dem Forsthaus nähert. Eine weiße „Immenhof“-Fahne zappelt am hinteren Fenster: Darauf zu sehen sind die Schauspielerinnen Heidi Brühl als Dalli, Angelika Meissner als Dick und - natürlich! - ein Pony. Auf dem Armaturenbrett liegt ein dicker, gelber Ringordner. „Filmtour“ steht darauf geschrieben. Mario Würz parkt am Wegesrand und steigt aus seinem Wagen. Er trägt den Ordner unter seinem Arm. Nach wenigen Schritten wird er ihn aufklappen und durch sorgfältig laminierte Szenenfotos der „Immenhof“-Filme blättern. Würz ist der wohl größte Fan der beliebten Pferdefilme aus der Nachkriegszeit. Erzählt wird die Familiengeschichte von Oma Jantzen und den Mädchen Dick und Dalli, die das insolvente Ponygestüt auf dem idyllisch gelegenen Gut Immenhof in ein Ponyhotel umwandeln. Woche für Woche tritt Mario Würz mit seiner Filmtour durch die Holsteinische Schweiz eine nostalgische Zeitreise in die 1950er Jahre an. Wer mit ihm über Waldwege und Kreisstraßen fährt, lernt den größten Naturpark Schleswig-Holsteins mit seinen 150 Seen auf eine ganz besondere Art kennen.

„Forsthaus Dodau“ ist in die mit Flechten überzogene Scheibe eines Baumstamms graviert. Heute ist das Anwesen der Sitz des Försters der Landesforstverwaltung. Ein Wanderweg führt vorbei an wild rankenden Himbeeren und den seit Jahrzehnten unveränderten Gebäuden. Wo früher der Haupteingang war, verrät ein hölzernes Gatter. „Aber inzwischen ist die Hecke so hoch gewachsen, dass man von hier aus das Forsthaus kaum mehr sehen kann“, sagt Mario Würz. Der Filmexperte und Betreiber des „Immenhof“-Museums zückt seinen Zeigefinger: „Da drüben war mal der Reitplatz.“ Ein paar Schritte weiter zeigt er, wo in „Hochzeit auf Immenhof“ ein Pony am Kaffeetisch eine Torte mampfte. Und wo der schnittige Reitlehrer von Roth mondäne Stadtschönheiten begrüßte. Heute blühen Stauden und picken Hühner im Förstergarten. Islandponys sind im Wald nicht unterwegs.

Würz marschiert schnurstracks den Wanderweg hinab. Auf seinen Fersen: sieben „Immenhof“-Fans, die ihren Urlaub im Norden mit einer Stippvisite der Drehorte krönen möchten, und ein neugieriger Mischlingshund. Der Filmtour-Führer bleibt an einer dicken Eiche stehen. Er hat zu beinahe jedem Baum am Wegesrand eine Geschichte parat. Von der Buche am Eutiner See, die beliebter Treffpunkt der „Immenhof“-Reiterbande war und seit einem Blitzeinschlag nicht mehr existiert. Und vom kalten Wasser des Sees, in dem bei steifer Brise die Schwimmszenen gedreht worden sind. „Dass die Schauspieler in ihrer Badekleidung zittern, ist nicht gespielt“, sagt der Filmkenner.

Zwischen Fachsimpeln und Farbfilm-Präsentationen führt Würz seine Gäste drei Stunden lang zu etlichen Drehorten und schmucken Plätzen der Ferienregion zwischen Lübeck und Kiel: dem Eutiner See, der alten Schmiede in Fissau, dem unfallträchtigen Bahnübergang, der Hochzeitskirche, zum Bahnhof von Malente und zum Gut Rothensande, dem einstigen Immenhof. „Auf dem Hof habe ich 13 Jahre lang gewohnt“, erzählt der 1969 geborene Museumsbetreiber. In der Holsteinischen Schweiz gelandet ist Würz wegen seiner Leidenschaft für die Pony-Filme. Das war 1989.

Sein roter Honda fährt vorbei an reetgedeckten Backsteinhäusern, vor denen Stockrosen im Wind schunkeln. Er bremst für Kinder, die auf einem Zwergpony vorbeitraben - als hätte Würz sie als Statisten für seine Filmtour engagiert. Parkt vor dem Bahnhofsgebäude von Bad Malente-Gremsmühlen. Vögel zwitschern, als er am Hauptschauplatz der „Immenhof“-Filme, dem Gut Rothensande, den Zündschlüssel abzieht. Zwei braune Pferde recken ihre Köpfe über den Holzzaun. Pinkfarben blühen die Heckenrosen, neben denen Radfahrer gegen den Wind strampeln. Das Wasser des nahe liegenden Kellersees schwappt wellenweise ans Ufer. So schön das denkmalgeschützte Hof-Ensemble ist, das gerade für 30 bis 40 Millionen Euro zum „Gut Immenhof“ mit Ferienwohnungen, Pferdeunterkünften, Gästesuiten und Hofladen ausgebaut wird - es ist seit Jahren eine Baustelle. „Für die Filme waren die Gebäude bloß reine Kulisse“, erklärt Würz, „nur Außenaufnahmen sind hier gedreht worden.“ Für die meisten Innenaufnahmen nutzte das Filmteam die damals leer stehende Rettberg-Kaserne im benachbarten Eutin. Am dortigen Haupttor, an dem vorbei Würz seinen Honda steuert, steht heute ein Schild: „Fotografier- und Filmverbot“.

Malente


Anreise
Bad Malente ist heilklimatischer Kurort und liegt inmitten des größten Naturparks Schleswig-Holsteins: der Holsteinischen Schweiz. Malente liegt nur etwa eine Autostunde von Kiel und Lübeck entfernt und ist mit der Bahn gut zu erreichen. Die Anreise mit der Bahn
dauert ab Berlin dreieinhalb Stunden.

Unterkunft
Viele Hotels, wie das Seehotel Diekseepark in Malente, bieten Zimmer mit Seeblick an: Das familiär geführte Drei-Sterne-Hotel verfügt über 48 Doppelzimmer, Pool und Sauna. DZ
ab 50 Euro. www.seehotel-diekseepark.de.
Im Villenstil erbaut und mehr als 100 Jahre
alt ist das Hotel See-Villa in Bad Malente-
Gremsmühlen. DZ ab 99 Euro.
http://hotel-see-villa.de

Führung
„Dick und Dallis Reitwege“ erkundet Mario Würz, der Betreiber des „Immenhof“-Museums, von April bis Oktober einmal pro Woche. Anmeldung unter Tel. 01 51 / 10 21 29 51 oder per E-Mail an immenhofmuseum@gmx.de.

Was Sie lassen sollten
Auf keinen Fall den Ort mit dem Auto erkunden. Die schönsten Plätze rings um Malente sind vom Wasser aus zu entdecken, es werden Schiffsrundfahrten angeboten. Die Kellersee-
Fahrt führt am „Immenhof“-Anwesen, die „Fünf-Seen-Fahrt“ zwischen Malente-
Gremsmühlen und Plön-Fegetasche an
kleinen Inseln vorbei.

Allgemeine Informationen
Tourismuszentrale Holsteinische Schweiz, www.holsteinischeschweiz.de