Immer dieser Giersch zwischen den Stauden! Und die Brennnesseln, die sich ungebeten beim Gartenschuppen angesiedelt haben. Ganz zu schweigen vom Löwenzahn im Rasen und diesem merkwürdigen Kraut mit den langen Ranken. Es ist schon ein Kreuz mit dem Unkraut, das die Gartenidylle stört und die Stresshormone des Gartenmenschen ansteigen lässt. Giersch, Ackerwinde oder Quecke zählen zu den lästigsten Wurzelunkräutern, die schwierig zu bekämpfen sind.
Es gibt aber auch durchaus Wildpflanzen im Garten, die Blumen und Gemüse weit weniger Konkurrenz machen und dazu noch eine interessante kulinarische Seite zeigen. Sich dem „Unkraut“ aus einem anderen Blickwinkel zu nähern, ist spannend und lohnenswert nach dem Motto: Aufessen, statt drüber ärgern! Sogar der Giersch kann mit weniger Kampfeslust betrachtet werden, wenn man weiß, wie viel Gutes in ihm steckt. Schon ganz früh im Jahr schiebt der Doldenblütler seine frischgrünen Blätter aus dem Boden, am liebsten unter Hecken oder Sträuchern. Von Juni bis August trägt die Pflanze, auch Geißfuß genannt, weiße Schirmblüten auf bis zu 80 cm hohen Stängeln.

Das „Unkraut“ Giersch schmeckt super in Suppe und Salat

Junge Gierschblätter lassen sich prima in der Küche verwenden. Sie enthalten viel Vitamin C, Kalium und ätherische Öle. Ihr Aroma erinnert entfernt an Petersilie. Feingehackt in Salat oder Gemüsesuppe, im Kräuterquark oder sogar im fruchtigen Smoothie (siehe Rezept ganz unten) zeigt Giersch seine positive Seite. Ab der Blüte wird das Aroma etwas strenger. Die langen Blattstiele können aber auch dann wie Petersilie zum Würzen verwendet werden.
Wenig Sympathie schlägt üblicherweise auch der Brennnessel entgegen. Das sollte sich ändern. Denn einerseits ist das Gewächs als Futterpflanze für bestimmte Schmetterlingsraupen wichtig. Und andererseits gehört die Brennnessel zu unseren wertvollsten alten Heil- und Nutzpflanzen.

Brennnesseln zum Mittagessen?

Zum Mittagessen frische Brennnesseln im Garten zu ernten (Handschuhe!) mag ungewohnt sein. Die abgezupften und gewaschenen Blätter unter Rahmspinat zu schummeln, funktioniert aber zum Beispiel hervorragend. Gemüsecremesuppe verleihen Brennnesseln eine appetitlich grüne Farbe.
Ein hoher Gehalt an Vitaminen, Flavonoiden, Gerbstoffen, Mineralstoffen (vor allem Eisen), Kieselsäure und Chlorophyll machen die Blätter zum kostenlosen einheimischen „Superfood“. Als Heilpflanze wirken Brennnesseln harntreibend, entzündungshemmend, blutreinigend und gallefördernd.
Die Brennnessel gilt heutzutage als Unkraut, kann aber auch als Gemüse oder Tee genutzt werden und hat eine reinigende Wirkung auf den Organismus.
Die Brennnessel gilt heutzutage als Unkraut, kann aber auch als Gemüse oder Tee genutzt werden und hat eine reinigende Wirkung auf den Organismus.
© Foto: Robert Günther/dpa
Für einen Gesundheits-Kräutertee können die Blätter einfach ausgebreitet auf einem Tablett getrocknet werden. Nach der Blüte im Juni bilden sich im Spätsommer dreieckige Samen, die in langen Rispen an weiblichen Pflanzen hängen. Auch sie sind ein wahres Kraftfutter mit reichlich wertvoller Linolsäure und Vitaminen. Frisch von der Staude genascht oder leicht geröstet übers Müsli gestreut, bereichern Brennnesselsamen den Speisezettel.

Mal probieren statt bekämpfen: Gundermann

Mit einer speziellen, unverwechselbaren Geschmacksnote ist das Wildkraut Gundermann ausgestattet. In fast jedem Garten zuhause, fristet die Pflanze dennoch ein meist unerkanntes Dasein. Gerne breitet sie ihre langen Ranken mit rundlichen, gekerbten Blättern und kleinen blauen Lippenblüten am Rand des Rasens oder Staudenbeetes aus. Steigt beim Grasmähen ein seltsam fremder Duft in die Nase, dürfte der Gundermann dafür verantwortlich sein. Ein wenig nach Minze und etwas harzig, so lassen sich Geruch und Geschmack in etwa beschreiben.
Kulinarisch harmonieren Gundermannblätter sehr gut mit Fruchtigem. Obstsalat etwa, Bowle oder Apfelsaft lassen sich mit ein paar gehackten Blättchen wunderbar aromatisieren. Da der Geschmack sehr ausgeprägt ist, verwendet man Gundermann sparsam. Im Garten wird die auch als „Gundelrebe“ bezeichnete Pflanze kaum wirklich lästig. Die Gegenwart von Gundermann ist sogar erfreulich, denn nach altem germanischem Glauben wohnt in ihm ein guter Pflanzengeist, der Haus und Hof vor bösen Einflüssen schützt.

Schmackhafter Klassiker unter den Unkräutern: Löwenzahn

Der Löwenzahn ist als ungebetener Gast im Rasen nicht gern gesehen. Doch auch er bringt eine Fülle gesunder Inhaltsstoffe mit, weswegen das Wildkraut besser gegessen, als ausgestochen werden sollte. Über die Bitterstoffe in Löwenzahnblättern freuen sich Leber und Galle besonders.
Als klassische Pflanze für die Frühjahrskur wirkt Löwenzahn harntreibend und blutreinigend. Junge Blätter schmecken noch nicht so bitter und können gut in Blattsalaten untergemischt werden. Interessant ist auch die Kombination mit Tomatensalat, dessen fruchtige Süße die Bitterkeit des Löwenzahns mildert. Wer angesichts des Unkrauts im Garten nun auf den Geschmack gekommen ist: Auch Vogelmiere, Scharbockskraut oder Gänseblümchen empfehlen sich zu ihrer Zeit für kulinarische Entdeckungen.

Fruchtiger Smoothie mit Unkraut

Für 2 Gläser benötigt man: 1 Banane, Saft ½ Zitrone, 1 walnussgroßes Stück frischer Ingwer, 400 ml Orangensaft, 100 ml Wasser. Nach Belieben einige Blätter von Giersch, Brennnessel, Gänseblümchen oder Gundermann, evtl. auch Gartenkräuter wie Zitronenmelisse oder Minze.
Zubereitung: Banane und Ingwer kleinschneiden und mit den anderen Zutaten im Mixer oder mit dem Pürierstab mixen. Nach Belieben mit Ahornsirup oder Honig süßen.