Da ist er wieder. Der Rassismus-Vorwurf gegen Boris Palmer. Tübingens grüner Oberbürgermeister hat auf dem sozialen Netzwerk Facebook mal wieder für Aufregung gesorgt. Der Grund dieses Mal: ein Radfahrer. Ein dunkelhäutiger Radfahrer, der Palmer am Dienstag auf dem Weg zu einer Veranstaltung im Ulmer Stadthaus in der dortigen Fußgängerzone begegnete; der zu schnell fuhr, zick zack um die Leute herum – und das mit offenem Hemd und Kopfhörern auf den Ohren; und der ihn, Boris Palmer, offenbar derart aufregte, dass er davon im Rahmen der Veranstaltung mit viel Emphase berichten musste.

„Das gehört sich für einen Asylbewerber dreimal nicht“

Eine Facebook-Nutzerin schrieb ihn nun daraufhin an: Was ihn denn daran so gestört habe, wollte sie wissen. Warum die Hautfarbe in diesem Zusmmenhang der Erwähnung wert gewesen sei. Ob er auch erwähnt hätte, wenn der Mann einen auffälligen Leberfleck auf der Wange gehabt hätte. Und wo der Zusammenhang zwischen Hautfarbe und rasantem Radeln liege, schrieb sie unter einem Post zu der Veranstaltung der Südwest Presse. Palmers Antwort: „Weil der typ mir nacktem Oberkörper, Kopfhörer und einer unglaublichen Dreistigkeit um die Leute rum gekurvt ist. Das gehört sich für niemand und für einen Asylbewerber schon dreimal nicht.“

Der Start der Kommikation mit Boris Palmer auf Facebook.
© Foto: Screenshot: Facebook

Hitzige Diskussion auf Facebook

Auf der Internet-Plattform entbrannte daraufhin eine hitzige Diskussion. Zunächst noch zwischen der Nutzerin (“Warum wissen sie, dass es ein Asylbewerber war?“) und Palmer (“Weil ich wette, dass es ein Asylbewerber war. So benimmt sich niemand, der hier aufgewachsen ist mit schwarzer Hautfarbe. Das wäre völlig missglückte Integration.“), später auch mit anderen Usern.

Ausgesuchte Antworten von Boris Palmer im Thread unter seinem Facebook-Post.
© Foto: Screenshot: Facebook

„Ich will die Hilfe nicht bereuen. Punkt.“

Palmer blieb in seinen Kommentaren bei seinen – bereits aus vorhergehenden von ihm ausgelösten Kontroversen bekannten – Thesen, die ihm teilweise Beifall aus der rechten politischen Ecke beschert haben. Dunkelhäutiger Oberkörper, schlechter Fahrstil – daran will Palmer einen Asylbewerber erkennen und bedient damit rassistische Vorurteile. Anderen Nutzern gegenüber äußerte er im Verlaufe des Threads: „Wenn ich Gast bin, verhalte ich mich anständiger als daheim.“ Oder mit resolutem Nachdruck: „Ich erwarte, dass ein Mensch, dem ich helfe, so einigermaßen verhält, dass ich diese Hilfe nicht bereue. Punkt.“

Immer wieder angeeckt

Palmer ist in der Vergangenheit – gerade in Folge der Hochzeit der Flüchtlingskrise 2015 – mit streitbaren Aussagen aufgefallen. Und damit auch innerhalb seiner eigenen Partei angeeckt. So äußerte sich etwa der Tübinger Grünen-Kreisverband zu Beginn des Jahres kritisch: beschwert sich der Vorstand des Tübinger Grünen-Kreisverbands beim Oberbürgermeister über dessen öffentliches Auftreten auf Facebook: „Deine Art der Kommunikation, und die Weise, wie Du aktiv und bewusst provozierst, ist problematisch“, heißt es in dem Schreiben, das den Stuttgarter Nachrichten vorliegt. Nun hat Palmer diesen Vorwürfen einmal mehr neue Nahrung geliefert.