Geislingen Ramadan: Eine Zeit der Gemeinschaft

Geislingen / Stefanie Schmidt 04.06.2018
Das gemeinsame Fastenbrechen ist für viele Muslime  ein wichtiger Brauch. In der Ditib-Mosche gibt es jeden Abend Essen für hunderte Besucher.

Auf dem Gelände der Geislinger Ditib-Moschee in der Heidenheimer Straße kommen derzeit jeden  Abend etwa 500 Menschen zum sogenannten ­Iftar-Mahl zusammen. An den Wochenenden sind es noch weit mehr, sagt Sezer Erin, Vorsitzender des Moschee-Vereins. Während des Ramadans ist es Brauch, dass man bei Anbruch der Dunkelheit gemeinsam das Fasten bricht und das Essen mit Freunden, Verwandten und Bedürftigen teilt. Ramadan hat weltweit am 16. Mai begonnen. Bis zum 14. Juni, wenn die Fastenzeit zu Ende geht, verzichten viele Gläubige von kurz vor Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang auf Essen und Trinken.

Für das Fastenbrechen bei der Ditib-Moschee bereiten zwei Köchinnen täglich ab 13 Uhr das Essen für die vielen Gäste zu. Bis zu acht Familien oder Einzelpersonen sponsern pro Tag das Essen. Dann werden die Mahlzeiten in ihrem Namen ausgeteilt. Gegen 21 Uhr kommen die ersten Besucher, darunter auch viele Flüchtlinge. Schnell bilden sich an den Tischen mit der Essensausgabe zwei Warteschlangen – eine für Frauen, die andere für Männer. Am Wochenende stehen die Wartenden teilweise bis zur Heidenheimer Straße, erzählt Sezer Erin.

Aus großen Töpfen schöpfen Helfer Suppe, Reis, Nudeln und Kartoffeln auf die Tabletts. Dazu gibt es ein Stück Fleisch und als Nachtisch Kuchen und Wassermelone. Besondere Gerichte, die ausschließlich während des Ramadans gekocht werden, gibt es nicht, erläutert Erin. Zu üppig sollte das Essen allerdings nicht ausfallen, meint er. „Man ist eh schnell satt. Der Magen wird während des Fastens kleiner.“

Pünktlich zum Sonnenuntergang gegen 21.15 Uhr erklingt das Bittgebet zum Fastenbrechen. Brauch ist es, das Essen mit einer Dattel und einem Schluck Wasser zu beginnen. Dicht sitzen die Gäste auf den Bänken unter den Dächern der Pavillons im Hof beieinander. Dieses Gemeinschaftsgefühl – dass man zusammen betet und isst – gehört zum Ramadan dazu, sagt Erin. „Reich und Arm gibt es beim Fastenbrechen nicht. Alle sitzen zusammen und teilen das Essen – das ist einfach eine schöne Atmosphäre.“

„Das Fasten hat nichts Quälendes, sondern ist eine Ruhezeit für den Körper“, betont Neslihan Gedik, die zum Vorstand der Frauengruppe des Moschee-Vereins gehört. „Man bereitet sich ja darauf vor. Das Ganze ist auch ein bisschen Kopfsache.“  Der Ramadan sei darüber hinaus eine Zeit, in der man sich darüber Gedanken machen sollte, ob man im Alltag richtig mit den Menschen umgeht, fügt sie hinzu. „Man muss auch den Kopf und die Seele reinhalten, sonst bringt das Fasten nichts.“

Kranke Menschen und Kinder sind nicht zum Fasten verpflichtet. „Aber meine Kinder möchten mitmachen und es ausprobieren“, erzählt Gedik, die Mutter von zehnjährigen Zwillingen ist. „Aber nicht während der Schulzeit. Deshalb haben sie sich gefreut, dass die vergangenen beiden Wochen Schulferien waren und sie abends mit zur Moschee durften.“

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