Putzen als Teambildung

HENNING MAAK 10.09.2016
Martine Smeets ist mit vielen Eindrücken aus Rio in die Saisonvorbereitung bei der SG BBM eingestiegen. Darüber spricht sie im Interview.

Sie sind mit der niederländischen Nationalmannschaft bei Olympia in Rio Vierte geworden. Mit ein paar Tagen Abstand: Überwiegt die Enttäuschung, eine Medaille verpasst zu haben, oder können Sie sich inzwischen über das Erreichte freuen?

SMEETS: Es ist ein bisschen von beidem. Der vierte Platz ist natürlich nicht schlecht, aber wenn man so nah an den Medaillen ist, will man auch eine gewinnen. Die Niederlage im Halbfinale gegen Frankreich mit nur einem Tor Differenz war besonders bitter, aber ich bin stolz, dass wir überhaupt dabei waren. Für den niederländischen Handball war das richtig gut. Es war ja das erste Mal, dass eine holländische Mannschaft überhaupt bei Olympia war.

Haben Sie über soziale Medien oder andere Kanäle von der Begeisterung in der Heimat etwas mitgekriegt in Brasilien?

SMEETS: Wir haben von unseren Familien und Freunden mitbekommen, dass sich viele Menschen in Kneipen getroffen haben, um zusammen Handball zu gucken. In meinem Heimatdorf Geesteren gab es ein Fanhaus, da habe ich Bilder auf Facebook gesehen. Unser Halbfinale haben wohl drei Millionen Menschen gesehen, das ist für Holland eine wirklich gute Quote.

Im Viertelfinale war die Niederlande klarer Außenseiter gegen den Gastgeber Brasilien. Wie sind Sie mit der Atmosphäre in der Halle zurechtgekommen, die zum Beispiel den deutschen Männern große Probleme bereitet hat?

SMEETS: Wir waren darauf eingestellt, dass die Zuschauer alle gegen uns sein würden – auch wenn die Brasilianer in den Spielen zuvor immer für uns waren, vermutlich weil wir Außenseiter waren. Und vielleicht wegen der vielen blonden Mädels im Team. Wir wussten, dass dieses Spiel Chaos pur werden kann. Aber als wir auf dem Spielfeld standen, hat es sich gut angefühlt. Die Zuschauer waren auch nicht unfair, sie haben einfach Brasilien angefeuert. Es war toll, in so einer Halle zu spielen.

Sie haben die Partie mit 32:23 gewonnen. Hat die Mannschaft einen perfekten Tag erwischt?

SMEETS: Das kann man so sagen. Wir hatten vor dem Spiel ein gutes Gefühl und geglaubt, dass wir gewinnen können. Ich weiß nicht genau, was an dem Tag passiert ist, aber wir sind in einen Flow gekommen, und dann klappt einfach alles. Brasilien hatte wohl keinen so guten Tag erwischt, das haben wir gut ausgenutzt.

Im Halbfinale gab es eine denkbar knappe 23:24-Niederlage gegen Frankreich. War es die größere Erfahrung, die in diesem Spiel den Unterschied ausgemacht hat?

SMEETS: Frankreich war gut vorbereitet auf uns, das hat man schon im Gruppenspiel gesehen. Sie haben überhaupt ein richtig gutes Turnier gespielt. Die Erfahrung hat sicher eine Rolle gespielt, vielleicht haben uns auch die Nerven den Sieg gekostet. Wir haben uns nach einem Rückstand zwar zurückgekämpft, sind aber einfach nie in so einen Flow wie gegen Brasilien gekommen.

Zwei Tage später gab es im Spiel um Platz drei gegen Norwegen eine klare 26:36-Niederlage. Hing die Halbfinal-Niederlage noch in den Trikots, oder hat das Team da einfach einen schlechten Tag erwischt?

SMEETS: Wir haben zwar alle gesagt, jetzt ist ein neues Spiel, und wir denken nicht mehr an Frankreich, aber die Enttäuschung war noch ziemlich groß. Wir sind gar nicht ins Spiel gekommen, und Norwegen war sehr stark, bei ihnen hat alles geklappt.

Viele Athleten haben über die Unterbringung im olympischen Dorf geklagt, es sei sehr dreckig gewesen. Wie haben Sie es empfunden?

SMEETS: Ja, es war für unsere Verhältnisse schon dreckig. Es wurde natürlich geputzt  – aber da haben wir einfach andere Standards. Wir haben das dann selbst übernommen, und die Freiwilligen aus dem Holland-Haus haben dabei geholfen. Die Unterbringung generell war einfach, aber es hat gereicht, und wir haben das Beste daraus gemacht. Die Brasilianer haben sich jedenfalls bemüht, ein gutes Turnier auszurichten. Das hat man gemerkt. Dass nicht alles zu 100 Prozent so geklappt hat, wie sie es sich vorgestellt hatten, war nicht weiter schlimm. Das gemeinsame Putzen hat auf jeden Fall zur Teambildung beigetragen.

Haben Sie Zeit gehabt, von Brasilien etwas anderes als das olympische Dorf und die Sporthallen zu sehen?

SMEETS: Wir haben leider von Rio sonst nichts gesehen, auch wenn ich die Christus-Statue sehr gerne besichtigt hätte, aber dafür war keine Zeit. Wir haben hart und viel trainiert, und in der Freizeit wollten wir uns dann eher erholen.

Haben Sie andere olympische Wettbewerbe besuchen können?

SMEETS: Wir haben nur das Spiel der deutschen Handballer gegen Frankreich gesehen, das war richtig gut. Die holländischen Volleyball-Frauen hätten wir gerne einmal gesehen, aber das ließ sich mit unseren Spielen nicht vereinbaren. An den Ruhetagen haben wir trainiert, daher hatten wir wenig Zeit.

Wie war die Umstellung von Olympia auf die Saisonvorbereitung?

SMEETS: Wir Holländerinnen hatten fünf Tage Pause und sind dann direkt ins Trainingslager nach Lanzarote geflogen. Die Umstellung war ziemlich schwierig, weil die Enttäuschung noch so groß war und man eigentlich gar nicht mehr an Handball denken wollte. Aber als ich wieder bei der Mannschaft war, habe ich mich sofort wieder wohl gefühlt. Es war auch schön, wieder in der eigenen Wohnung zu sein, nach vier Wochen mit neun Mädels in einem Apartement.

Wie haben Sie die Saisonvorbereitung erlebt?

SMEETS: Ich war ja nur im Trainingslager auf Lanzarote dabei. Ich habe nur die Testspielergebnisse mitgekriegt, aber auf Lanzarote festgestellt, dass das Niveau des Teams richtig hoch ist. Die Mannschaft hat es mir aber sehr leicht gemacht, wieder einzusteigen.

Als Saisonziel wurde ein Platz unter den ersten drei Teams ausgegeben. Was sind Ihre persönlichen Ziele für die neue Saison?

SMEETS: Ich hoffe, dazu beitragen zu können, dass wir jedes Spiel gewinnen und ich der Mannschaft mit meiner Schnelligkeit und einfachen Toren durch Tempogegenstöße helfen kann.

Zur Person: Martine Smeets

68 Länderspiele Martine Smeets ist am 5. Mai 1990 im niederländischen Geesteren geboren und begann im Alter von fünf Jahren bei Stevo Geesteren mit dem Handballspielen. In der Saison 2007/2008 spielte die 1,72 Meter große Linksaußen bei E&O Emmen, danach wechselte sie zu Sercodak Dalfsen, wo sie 2010 bis 2012 die niederländische Meisterschaft und 2011 sowie 2012 den Pokal gewann. Von 2013 an stand Smeets beim Thüringer HC unter Vertrag, mit dem sie 2014 und 2015 deutscher Meister wurde. Seit der vergangenen Saison spielt sie für die SG BBM Bietigheim. Sie hat 68 Länderspiele für die Niederlande bestritten und dabei 119 Tore erzielt. Zu ihren Höhepunkten gehörte die Teilnahme an den Olympischen Sommer-Spielen in Rio de Janeiro in diesem Jahr und an der Weltmeisterschaft in Serbien 2013. hem

Tor: Isabell Roch, Ann-Cathrin Giegerich, Tess Wester, Valentyna Salamakha.

Rückraum: Maura Visser, Nina Müller, Jaqueline Anastácio, Stine Baun Eriksen, Kim Naidzinavicius, Susann Müller.

Linksaußen: Martine Smeets, Fernanda Da Silva.

Rechtsaußen: Linda Mack, Angela Malestein, Mille Hundahl.

Kreis: Hanna Yttereng, Antje Lauenroth, Mia Biltoft.

Zugänge: Fernanda Da Silva (CSM Bukarest/Rumänien), Kim Naidzinavicius (TSV Bayer Leverkusen), Mia Biltoft (Ringkøbing Håndbold/Dänemark), Valentyna Salamakha (Siófok KC/Ungarn).

Abgänge: Simone Poulsen (SG 09 Kirchhof), Fabiana Diniz (Karriereende), Paule Baudouin (Fleury Loiret Handball).

Trainer: Martin Albertsen (3. Saison).

Co-Trainer: Theis Husfeldt.

Torwart-Trainer: Thorsten Nick.

Athletik-Trainer: Felix Bauer.

Teammanagerin: Barbara Smajevic.

Sportdirektor: Gerrit Winnen.

Geschäftsführer: Bastian Spahlinger.

Mannschaftsärzte: Dr. Christoph Lukas, Dr. Alexander Witt, Dr. Pavel Dolezel.

Physiotherapeuten: Alice Vilara-Heipl, Rune Held, Sören Christofori.

Saisonziel: Top Drei.

Titelfavoriten: Thüringer HC, HC Leipzig, TuS Metzingen, BVB Dortmund, VfL Oldenburg, SG BBM Bietigheim.

Zur Person: Martine Smeets

68 Länderspiele Martine Smeets ist am 5. Mai 1990 im niederländischen Geesteren geboren und begann im Alter von fünf Jahren bei Stevo Geesteren mit dem Handballspielen. In der Saison 2007/2008 spielte die 1,72 Meter große Linksaußen bei E&O Emmen, danach wechselte sie zu Sercodak Dalfsen, wo sie 2010 bis 2012 die niederländische Meisterschaft und 2011 sowie 2012 den Pokal gewann. Von 2013 an stand Smeets beim Thüringer HC unter Vertrag, mit dem sie 2014 und 2015 deutscher Meister wurde. Seit der vergangenen Saison spielt sie für die SG BBM Bietigheim. Sie hat 68 Länderspiele für die Niederlande bestritten und dabei 119 Tore erzielt. Zu ihren Höhepunkten gehörte die Teilnahme an den Olympischen Sommer-Spielen in Rio de Janeiro in diesem Jahr und an der Weltmeisterschaft in Serbien 2013. hem

Tor: Isabell Roch, Ann-Cathrin Giegerich, Tess Wester, Valentyna Salamakha.

Rückraum: Maura Visser, Nina Müller, Jaqueline Anastácio, Stine Baun Eriksen, Kim Naidzinavicius, Susann Müller.

Linksaußen: Martine Smeets, Fernanda Da Silva.

Rechtsaußen: Linda Mack, Angela Malestein, Mille Hundahl.

Kreis: Hanna Yttereng, Antje Lauenroth, Mia Biltoft.

Zugänge: Fernanda Da Silva (CSM Bukarest/Rumänien), Kim Naidzinavicius (TSV Bayer Leverkusen), Mia Biltoft (Ringkøbing Håndbold/Dänemark), Valentyna Salamakha (Siófok KC/Ungarn).

Abgänge: Simone Poulsen (SG 09 Kirchhof), Fabiana Diniz (Karriereende), Paule Baudouin (Fleury Loiret Handball).

Trainer: Martin Albertsen (3. Saison).

Co-Trainer: Theis Husfeldt.

Torwart-Trainer: Thorsten Nick.

Athletik-Trainer: Felix Bauer.

Teammanagerin: Barbara Smajevic.

Sportdirektor: Gerrit Winnen.

Geschäftsführer: Bastian Spahlinger.

Mannschaftsärzte: Dr. Christoph Lukas, Dr. Alexander Witt, Dr. Pavel Dolezel.

Physiotherapeuten: Alice Vilara-Heipl, Rune Held, Sören Christofori.

Saisonziel: Top Drei.

Titelfavoriten: Thüringer HC, HC Leipzig, TuS Metzingen, BVB Dortmund, VfL Oldenburg, SG BBM Bietigheim.

Zurück zur Startseite