Erbach Profi-Golfer Maximilian Walz: Träumerei nach Plan

Maximilian Walz brennt für den Golf-Sport.
Maximilian Walz brennt für den Golf-Sport. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Neu-Ulm / Sebastian Schmid 03.09.2018
Für Maximilian Walz stand früh fest, was er werden will: Golf-Profi. Dafür musste er viel opfern - abgehalten hat ihn das nicht.

Doch anders als viele Kinder und Jugendliche, die von einer Sportlerkarriere träumen, ließ sich der gebürtige Ulmer nicht von seinem Weg abbringen, als er gemerkt hat, dass er dafür viel opfern muss. Mit 16 Jahre verließ er das Elternhaus in Erbach und ging nach Schottland aufs Internat. Bereits da war ihm klar, dass der nächste Schritt ihn in die USA ans College führen wird. Mit 19 Jahren ging er dann tatsächlich an die University of Louisville, machte dort binnen vier Jahren seinen Bachelor in Finanzen und spielte im College-Team Golf. Einen Monat nach seinem Abschluss wurde Walz im Januar 2016 Golf-Profi – und hatte damit sein erstes großes Ziel erreicht.

Die ältere Schwester als Vorbild

Die Erfahrung, dass Kinderträume trotz Talent und Strebsamkeit nicht immer in Erfüllung gehen, hat Maximilian Walz allerdings auch nächster Nähe erlebt. „Mein ganzes Leben ist auf den Profisport ausgelegt. Meine Schwester Lisa-Marie hat mir das vorgelebt. Sie war mein großes Vorbild.“ Doch die Ski-Karriere der inzwischen 29-Jährigen fand am 26. November 2008 ein jähes Ende. Kurz vor ihrer Weltcup-Premiere im kanadischen Lake Louise verletzte sie sich schwer am Knie. Nach mehreren Rückschlägen während der Rehabilitation musste sie ihre Karrierepläne begraben. Etwas, was ihr Bruder nicht vergessen wird: „Es war eine wichtige Erfahrung, zu sehen, dass alles auch schnell anders sein kann, wenn einem alles auf einmal weggenommen wird.“

Das Schicksal seiner Schwester lässt den 26-Jährigen die eigene Sportlerlaufbahn bewusster erleben. Walz wirkt reif, aufgeräumt, er spricht klar über seinen bisherigen Werdegang, die Zeit auf der Pro-Tour und seine Ziele. Wie in seinen Teenager-Jahren hat er einen klaren Plan, wo er hin will und wie er das schaffen kann. Das Turnier auf dem Platz des New Golf Clubs in Neu-Ulm, das noch bis Mittwoch ausgetragen wird, nimmt er als „Heimspiel“ gerne mit – Priorität hat aber eine Veranstaltung in einer Woche. Dann wird in Fleesensee die erste Runde der Qualifying School ausgespielt. In drei Runden mit mehreren Turnieren können sich die 15 besten Spieler den Traum von der European Tour erfüllen, der höchsten europäischen Spielklasse. 45 weitere Akteure können sich eine Starterlaubnis für die darunter angesiedelte Challenge-Tour sichern.

Der Aufstieg dorthin war eigentlich Walz’ diesjähriges Ziel. Doch von den Top Fünf ist er als 48. der Rangliste weit entfernt. „Klar bin ich unzufrieden, weil ich mein Ergebnisziel nicht erreicht habe“, sagt Walz: „Aber im Sport gibt es Höhen und Tiefen. Für die Höhen leben wir, aber in den Tiefen entwickeln wir uns weiter.“ Deshalb wirkt die Saison nur auf den ersten Blick wie ein Rückschlag. „Es gibt negative Erfahrungen, die dich weiterbringen  und dafür sorgen, dass du härter trainierst. Ich bin dieses Jahr ein besserer Spieler geworden, konnte es aber nicht mit Ergebnissen zeigen.“

Ein Draufzahl-Geschäft

Dass er mehr kann, stellte Walz vergangenes Jahr mit seinem ersten Turniersieg auf der Pro-Tour unter Beweis. „Da habe ich gezeigt, dass ich alle schlagen kann. Jetzt ist die Frage, ob mir das in einem Jahr mehrmals gelingt.“ Um das zu Erreichen, gehört mehr dazu, als er sich zu Beginn seiner Profi-Laufbahn gedacht hat. Die Reisen, die mentale Belastung, der Druck – alles Faktoren, die eine Rolle spielen.

Mit seinen Zielen ist Walz nicht alleine auf der Tour. Jeder, der dabei ist, träumt von der großen Karriere – und damit auch vom großen Geld. Davon ist auf der Pro- und der Challenge-Tour nicht viel verdient. Einen mittleren fünfstelligen Betrag muss ein Golfer für eine Saison auf der Pro-Tour einplanen, inklusive Antrittsgelder, Reisekosten und Trainerstunden. Angesichts der Preisgelder (5000 Euro erhält den Sieger in Neu-Ulm) ist schnell klar, dass für den Großteil die Tour ein Draufzahl-Geschäft ist. Auch für Walz, der nur dank lokaler Sponsoren seinem Traum von der Profi-Tour hinterherjagen kann. Dieses Ziel hat er auch mit 26 Jahren noch fest im Blick. Denn eines hat sich seit seiner Kindheit nicht geändert: „Ich brenne unglaublich für den Sport.“

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Abschläge in Richtung Clubhaus

Heute wird es im Rahmen des Pro-Tour-Turniers auf der Driving Range des New Golf Clubs ein besonderes Event ausgetragen. Beim sogenannten „Shootout“ treten in Neu-Ulm ab 16 Uhr 32 Golfer im Duell Mann gegen Mann an. Beim Shootout geht es darum, mit weniger Schlägen als der direkte Konkurrent einzulochen. Der Clou dabei: Die Spieler schlagen vom Ende der Driving Range in Richtung Clubhaus ab, das Loch befindet sich also direkt vor den Zuschauern – die während der Veranstaltung übrigens Freibier erhalten. In der ersten Runde stehen sich dabei jeweils ein Amateur und ein Profi gegenüber, der Sieger jedes Duells ist eine Runde weiter. Im K.o.-Modus geht es so weiter, bis am Ende ein Gewinnen übrig bleibt, der für seinen Erfolg mit 3400 Euro Prämie belohnt wird.

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