Ziel des Treffens unter dem Dach der Vereinten Nationen ist, den Hunger in dem zentralasiatischen Land zu bekämpfen und das öffentliche Leben vor dem Zusammenbruch zu bewahren. UN-Hilfsorganisationen haben einen Finanzbedarf von 606 Millionen Dollar (513 Millionen Euro) bis Dezember angemeldet. Viele Länder sind zu humanitärer Hilfe bereit, wollen daran aber Bedingungen knüpfen.
Zu der Konferenz werden etwa 40 Minister erwartet, darunter der deutsche Außenminister Heiko Maas (SPD). Auch UN-Generalsekretär Antonio Guterres will nach Genf kommen. Viele andere sind nur per Videoschalte dabei. Die Taliban sind in Afghanistan seit Mitte August wieder an der Macht. Die internationalen Truppen haben das Land nach annähernd 20-jährigem Einsatz nahezu vollständig wieder verlassen.
Nach Einschätzung von UN-Behörden steht die Grundversorgung vor dem Zusammenbruch. Mit humanitärer Hilfe sollen medizinische Leistungen, Wasserversorgung und sanitäre Einrichtungen aufrecht erhalten werden. Zudem sollen Schutzmaßnahmen für Kinder und Frauen, Notunterkünfte für Vertriebene sowie Bildungsprojekte finanziert werden. Außerdem brauchen die Vereinten Nationen Geld für Nahrungsmittelhilfe. Nach UN-Zahlen haben 93 Prozent der Haushalte in Afghanistan nicht genug zu essen.
UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi warnte am Sonntag, dass ein „Wiederaufflammen der Kämpfe, Menschenrechtsverletzungen oder der Zusammenbruch der Wirtschaft und der sozialen Grundversorgung“ viele Afghanen zur Flucht ins Ausland bewegen könnte. Die Nachbarländer, besonders Iran und Pakistan, hätten jedoch bereits Millionen aufgenommen, sagte Grandi dem „Tagesspiegel“. Mehr als 3,5 Millionen Menschen seien derzeit innerhalb des Landes auf der Flucht.