Am Donnerstag, den 6. Oktober 2022, wird der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Rafael Grossi, für Gespräche in der ukrainischen Hauptstadt Kiew erwartet. „Der Bedarf für eine nukleare Sicherheitszone um das Atomkraftwerk Saporischschja ist dringender denn je“, schrieb Grossi am Mittwochabend vor seiner Abreise nach Kiew beim Kurznachrichtendienst Twitter. Erwartet werden Gespräche mit Präsident Wolodymyr Selenskyj, Energieminister Herman Haluschtschenko und dem Chef des ukrainischen Atomkraftwerksbetreibers Enerhoatom, Petro Kotin.
Das Atomkraftwerk Saporischschja in Enerhodar befindet sich nach dem russischen Überfall auf die Ukraine seit Anfang März unter Kontrolle der russischen Armee. Russland hat das Gebiet auch offiziell zu seinem Territorium und das Atomkraftwerk zu russischem Eigentum erklärt sowie eine neue Kraftwerksleitung eingesetzt. Artilleriebeschuss des Kraftwerksgeländes und der Umgebung hatten im Sommer international die Sorge vor einer Atomkatastrophe erhöht. Alle sechs Kraftwerksblöcke sind inzwischen heruntergefahren, zwei Mitarbeiter der IAEA überwachen die Situation. Angekündigt war auch eine Reise im Anschluss in die russische Hauptstadt Moskau. Spekuliert wurde zudem über einen weiteren Besuch des Atomkraftwerks durch Grossi. Das AKW Saporischschja ist mit seinen sechs Reaktoren und einer Nettoleistung von 5700 Megawatt das größte in Europa.