Gesundheit Ärztetag: Skypen mit dem Arzt bald möglich

Per Mausklick und Video zum Arzt, statt im Wartezimmer zu sitzen: Das soll bald für mehr Patienten möglich werden.
Per Mausklick und Video zum Arzt, statt im Wartezimmer zu sitzen: Das soll bald für mehr Patienten möglich werden. © Foto: Lisa Forster/dpa
Erfurt / Guido Bohsem 11.05.2018
Der Ärztetag stimmt mit großer Mehrheit für die virtuelle Sprechstunde. Patienten sollen ausführlich aufgeklärt werden.

David Meinertz ist, das kann man jetzt so sagen, ein echter Pionier des deutschen Gesundheitswesens. Wenn auch bislang ein verhinderter. Als er 2012 mit seiner virtuellen Arztpraxis DrEd an den Start ging, konnte er das nicht in Deutschland tun, weil es hier verboten ist, Patienten nur online, das heißt ohne persönlichen Kontakt, zu beraten oder ein Rezept auszustellen. Also wich er nach Großbritannien aus und bot seine Video-Sprechstunde von dort aus an.

Seitdem haben Meinertz und DrEd etwa 400 000  Mal Patienten aus Deutschland behandelt. Immer wieder standen sie dafür am Pranger der Ärzteschaft, der Apotheker und der Politik. Doch das wird sich jetzt ändern. Denn am Donnerstag hat der Ärztetag den Weg für Arztpraxen im Netz freigemacht. Die Berufsordnungen der Mediziner sollen so geändert werden, dass der Arzt seinen Patienten nicht mehr zwingend persönlich gesehen haben muss, bevor er ihn über das Internet behandelt. „Eine ausschließliche Beratung oder Behandlung über Kommunikationsmedien ist im Einzelfall erlaubt“, heißt es in dem Beschluss.

Sicherheitsklauseln eingebaut

Außerdem sollen die Patienten ausführlich über die Besonderheiten einer Online-Behandlung aufgeklärt werden und schließlich fordern die Ärzte, dass nur Ärzte eine solche virtuelle Sprechstunde betreiben dürfen und nicht etwa Kapitalgesellschaften. Mit diesen Sicherheitsklauseln wollen die Mediziner einen möglichst hohen Schutz ihrer Patienten gewährleisten und sicherstellen, dass nicht ein großer Teil ihrer Tätigkeiten und Verdienstmöglichkeiten in einen virtuellen Markt verschwindet.

Ohnehin eignen sich Online-Sprechstunden nur eingeschränkt für die Behandlung. DrEd kümmert sich vor allem um Krankheiten, die einfach mit dem Smartphone fotografiert und anhand des Bildes diagnostiziert  werden können. Anderen Beschwerden versuchen die Online-Ärzte über ausführliche Fragebögen auf die Spur zu kommen. „Es gibt viele Indikationen, die sich sehr gut aus der Ferne behandeln lassen“, so Meinertz.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte dem Ärztetag dringend empfohlen, den Weg für die Online-Praxis frei zu machen. „Patienten werden unnötige Wege und Wartezeiten erspart.“

Experten gehen davon aus, dass nach der Freigabe durch den Ärztetag und die noch ausstehende Änderungen Berufsordnungen der einzelnen Bundesländer – in Baden-Württemberg ist dies bereits passiert – ein großer Markt für Online-Sprechstunden entstehen wird. Im Südwesten gibt es die ersten Pilotprojekte. DrEd-Chef Meinertz rechnet sogar damit, dass etwa ein Drittel aller Arzttermine durch Behandlungen am Computer übernommen werden können.