Man sei durch den russischen Erdgaskonzern Gazprom informiert worden, dass die Gaslieferungen abgestellt würden. Polen will Erdgas nicht wie von Russland gefordert in Rubel bezahlen. PGNiG sieht in der Entscheidung einen Bruch bestehender Verträge. Man wolle Schadenersatz wegen Vertragsbruchs fordern. Nach Deutschland fließt über die Jamal-Pipeline meistens kein Gas aus Russland.
Ab Mittwochmorgen, den 27.04.2022, 8 Uhr, werde das Gas nicht mehr durch die Jamal-Pipeline nach Polen fließen, sagte Klimaministerin Anna Moskwa. „Wir sind auf eine vollständige Einstellung der russischen Rohstofflieferungen vorbereitet“. Seit den ersten Tagen des Ukraine-Krieges habe ihr Land erklärt, dass es bereit sei für eine vollständige Unabhängigkeit von russischen Rohstoffen.

Versorgungssicherheit in Deutschland gewährleistet

Die Versorgungssicherheit in Deutschland sei derzeit weiter gewährleistet, sagte eine Sprecherin von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) am Dienstagabend. „Wir beobachten die Lage genau.“ Der Bevollmächtigte der polnischen Regierung für strategische Energieinfrastruktur, Piotr Naimski, versicherte, dass nach Deutschland weiter Gas über Nord Stream 1 fließe. Und alle Gaskunden in Polen würden den Rohstoff weiter auf dem bisherigen Niveau erhalten. Die zweite Gaspipeline durch die Ostsee geht wegen des Krieges in der Ukraine nicht in Betrieb. Doch was genau ist das Projekt Nord Stream 2?
Die Gasspeicher seien zu 76 Prozent gefüllt, betonte Moskwa. Dies sei ein Ergebnis der Vorbereitungen: „Im vergangenen Jahr um diese Zeit waren die Speicher im 39 Prozent gefüllt.“ Es gebe aber zum jetzigen Zeitpunkt keinen Grund, die Speicher zu öffnen. Vielmehr bemühe man sich, die Vorräte mit Lieferungen von Flüssigerdgas (LNG) auf 99 Prozent aufzustocken. „Die Heizperiode liegt schon hinter uns. Deshalb müssen wir auch nicht darüber reden, wie lange der Vorrat in den Speichern hält.“ Der laufende Bedarf werde derzeit mit LNG-Lieferungen gedeckt.

Versucht Russland Polen zu erpressen?

Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki sagte am Dienstag in Berlin nach einen Treffen mit Bundeskanzler Olaf Scholz, dass Russland vielleicht versuche, Polen auf diese Weise zu erpressen. Polen habe sich aber sich im Vorfeld auf die Diversifizierung der Gasversorgung vorbereitet. Die Wirtschaft sei nicht gefährdet.

Kosten für Öl- und Gas-Heizung steigen rasant

Die nächste Heizkostenabrechnung könnte für viele Menschen in Deutschland zum Debakel werden. Die Preise für Öl und Gas steigen rasant, ein Ende dieser Entwicklung ist wegen des Krieges in der Ukraine nicht abzusehen. Von 2023 an soll die Heizkosten-Abrechnung zwischen Mieter und Vermieter in Deutschland gerechter verteilt werden. So funktioniert das neue Modell.

Flüssiggas-Terminals sollen an der Nordsee gebaut werden

55 Prozent des Erdgases hierzulande stammt vom russischen Staatsmonopolisten Gazprom. Um den Anteil zu verkleinern, hat Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) angekündigt, zwei Anladestellen für LNG („Liquefied natural gas“, Flüssigerdgas) in Brunsbüttel und Wilhelmshaven zu bauen. Solche Terminals sind schon lange im Gespräch, kamen aufgrund mangelnden Interesses jedoch nie über die Planungsphase hinaus.