Schulen werden geschlossen

Nach dem bundesweiten Beschluss für einen harten Corona-Lockdown werden in Baden-Württemberg von Mittwoch an die Schulen und Kitas geschlossen. Wie die Deutsche Presse-Agentur in Stuttgart am Sonntag aus Regierungskreisen erfuhr, sollen die Weihnachtsferien nach vorn verlegt werden, um weitere Kontakte zu vermeiden. Darauf haben sich die Spitzen der grün-schwarzen Koalition geeinigt. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) wollte um 15.30 Uhr die neuen Auflagen im Kampf gegen die anhaltend hohen Corona-Infektionszahlen erläutern.
Nur für Schüler der Abschlussklassen solle es Fernunterricht geben, hieß es in Regierungskreisen. Außerdem sei eine Notbetreuung von Kindern geplant, deren Eltern in sogenannten systemrelevanten Berufen arbeiten wie Ärzte oder Krankenschwestern und -pfleger.
Die Ministerpräsidenten und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatten sich am Sonntagvormittag darauf verständigt, dass Schüler und Kita-Kinder spätestens ab Mittwoch deutschlandweit - wann immer möglich - für zunächst dreieinhalb Wochen zu Hause bleiben sollen.

Regionen mit Inzidenz über 300 in Baden-Württemberg

Nach den jüngsten Infektionszahlen wären
  • Pforzheim mit einer Inzidenz von 339,0
  • und Heilbronn auch schon bei 318,3 von den neuen Regeln betroffen.
Die Maßnahmen sind Teil einer erweiterten Hotspot-Strategie zur Eindämmung des Coronavirus. Die Schulen seien am Dienstag über den neuen Erlass informiert worden.

Fernunterricht in Hotspot-Regionen: Stoch kritisiert Ministerin Eisenmann

Ex-Kultusminister Andreas Stoch (SPD) warf seiner Nachfolgerin Susanne Eisenmann (CDU) vor, die Situation komplett unterschätzt zu haben. „Hätte die Ministerin, wie vor Wochen von der SPD gefordert, den Unterricht für ältere Schülerinnen und Schüler auf Wechselunterricht umgestellt, müsste sie nun nicht ganze Klassen nach Hause schicken.“ Der CDU-Spitzenkandidatin sei die Profilierung wichtiger gewesen als ihr Krisenmanagement, kritisierte der SPD-Partei-und Fraktionschef. Zur genauen Ausgestaltung der Notbetreuung in Baden-Württemberg gab es nach dem Corona-Gipfel indes zunächst noch Unklarheiten.

Bisher galt Regelung zu Wechselunterricht

Bisher galt die Regelung, dass Schulen in Kreisen mit einem Inzidenzwert von mehr als 200 in Absprache mit dem Gesundheitsamt und der Schulverwaltung Wechselunterricht ab Klasse 8 anbieten können. Zudem soll es an den letzten beiden Schultagen vor Weihnachten, am 21. und 22. Dezember, Fernunterricht geben.
Stoch sagte, es sei besonders gefährlich, dass die Ministerin auch Ratschläge der Wissenschaft, etwa vonseiten der Leopoldina, ignoriere und als nicht zeitgemäß abkanzele. „Wer in der aktuellen Situation glaubt, Wissenschaftsbashing betreiben zu müssen, gefährdet den gesellschaftlichen Konsens über die jetzt notwendigen Maßnahmen.“ Stoch ergänzte: „Frau Eisenmann, Sie und Ihre Bildungspolitik sind nicht auf der Höhe der Zeit!“

Eisenmann hat Leopoldina-Vorschlag zu Schulen kritisiert

Eisenmann hatte den Vorschlag der Nationalen Wissenschaftsakademie Leopoldina für eine zeitweise Aufhebung der Schulpflicht schon ab der nächsten Woche kritisiert. Zudem hatte sie moniert, die Leopoldina liege mit ihren Vorschlägen auch manchmal daneben: „Manche Forderungen zeigen, dass die Leopoldina bei den Corona-Maßnahmen nicht ganz auf der Höhe der Zeit zu sein scheint. Die Idee, Gruppenaktivitäten im Bereich von Sport und Kultur einzustellen, ist in Baden-Württemberg bereits seit Wochen Realität.“
Im Gegensatz zu anderen Lebensbereichen nehme die Landesregierung bei Kitas und Schulen in Kauf, dass Kinder, Jugendliche und Lehrkräfte und Erzieherinnen und Erzieher Gefahren ausgesetzt sind. Das Robert-Koch-Institut (RKI) habe bereits ab einer Inzidenz von 50 den Wechselunterricht empfohlen. Dabei könne eine Hälfte der Klasse in die Schule kommen, und die andere Hälfte zu Hause lernen.