Nun also doch: Die Abschlussprüfungen an Schulen im Land stehen wegen der Corona-Pandemie auf dem Prüfstand. Wie Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) am Mittwoch mitteilen ließ, prüfe ihr Haus „unterschiedliche Szenarien und Möglichkeiten, Prüfungen zeitlich und organisatorisch umzusetzen“. Dazu zähle eine Verschiebung des Prüfungszeitraums. „Die Entscheidung werden wir sorgsam abwägen und für alle Schularten noch in dieser Woche bekanntgeben“, kündigte Eisenmann an.
Alle Schulen sind wegen der Infektionsgefahr derzeit geschlossen – Stand jetzt bis 20. April, den Montag nach den Osterferien. Diese vergangenen Freitag beschlossene Maßnahme führt bereits dazu, dass Prüfungen nicht wie geplant stattfinden. Die ursprünglich auf 2. April angesetzten Deutschprüfungen an Beruflichen Gymnasien und Berufsoberschulen hat das Ministerium auf 30. April verschoben, ebenso einzelne Tests des fachpraktischen Abiturs.
Alle Prüfungen nach dem 20. April aber sollten stattfinden, betonte Eisenmann zuletzt. Dazu zählen Abiturklausuren und Realschul-Abschlussarbeiten am 22. April. „Ja, alle ab 21. April terminierten Abschlussprüfungen finden planmäßig statt“, heißt es auf der Internetseite des Kultusministeriums. Eisenmann selbst sagte noch in einer Pressekonferenz am Dienstag: „Wir gehen Stand heute davon aus, dass wir die Prüfungen wie geplant durchführen können und durchführen werden.“
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Abitur leichter und besser benotet?

Die Ministerin kündigte dabei ein gewisses Entgegenkommen an. „Ob das jetzt die schwersten Prüfungen werden, 2020, das wage ich zu bezweifeln“, sagte sie. Auf die Frage eines Journalisten, ob er das richtig verstehe, dass die Prüfungen „einen Tick einfacher und einen Tick besser benotet werden“ sollen, sagte die Ministerin: „Ich würde mir Ihre Wortwahl nicht zu eigen machen, höre mich jetzt aber auch nicht intensiv widersprechen.“ Sie betonte, betroffene Schüler sollten sich keine Sorgen machen.

Andere Länder preschen vor

Ebenfalls am Dienstag kündigte Mecklenburg-Vorpommern an, Prüfungen zu verschieben. Am Mittwoch erklärte Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler), um „faire Bedingungen“ herzustellen, habe er den Beginn der Abiturprüfungen vom 30. April auf 20. Mai 2020 verlegt. Wenige Stunden später gab Eisenmann bekannt: „Unabhängig von der Entscheidung in Bayern arbeiten wir bereits seit einigen Tagen daran, wie wir mit dem Abitur sowie den Abschlussprüfungen an allen weiteren Schularten umgehen.“
Schließung der Schulen in Baden-Württemberg Digitaler Unterricht nur eingeschränkt möglich

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„So eine Einschätzung kann sich in der aktuellen Situation verändern“, sagte ihre Sprecherin. Man mache sich viele Gedanken, stimme sich auch innerhalb der Kultusministerkonferenz (KMK) ab. Diese hatte vergangene Woche, noch bevor es zu den bundesweiten Schulschließungen kam, unter dem Eindruck der Corona-Welle beschlossen, alle Länder sollten durch „flexible Regelungen“ sicherstellen, dass alle Schüler „ihre Prüfungen absolvieren und ihre Abschlüsse im laufenden Schuljahr erreichen können“. Alle so erworbenen Abschlüsse sollen gegenseitig anerkannt werden. Man setze sich zudem für Flexibiliät bei Regelungen für die Vergabe von Studienplätzen ein, „um eine bruchlose Fortsetzung der Bildungslaufbahn zu ermöglichen“.

Rheinland-Pfalz nimmt trotz Corona Abi ab

Kommt es nun zu Verschiebungen, Prüfungen unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen, oder gar einer Art Notabitur, wie es das zuletzt während der Weltkriege gab? Derzeit scheint, in Abhängigkeit vom weiteren Verlauf der Virus-Pandemie, vieles denkbar. Was alles möglich ist, zeigt in diesen Tagen Rheinland-Pfalz, wo das mündliche Abitur traditionell schon Mitte März stattfindet. Eine Sprecherin von Kultusministerin Stefanie Hubig (SPD) berichtete, es habe landesweit lediglich an vier Schulen, an denen Corona-Fälle aufgetreten waren, Verschiebungen gegeben. Alle anderen Prüfungen hätten, unter gewissen Sicherheitsvorkehrungen, stattgefunden.
Einen Einblick gewährte Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft GEW, deren Neffe dort gerade sein Abitur ablegt. Ihre Schwester habe per Mail folgendes berichtet: „Beim Zutritt der Schule wurden ihm die Hände desinfiziert und er bekam seinen Mundschutz. Danach seine Aufgabe (Mathematik), um sich in einem bestimmten Raum vorzubereiten. Nach einer bestimmten Zeit wurde er abgeholt und in den Prüfungsraum gebracht. Dort saßen die Prüfer (mit Mundschutz). Nach der Prüfung musste er sofort das Gebäude verlassen. Sein Stufenleiter hat vorhin angerufen und ihm seine Punkte mitgeteilt und seine Gesamtnote.“

Azubi-Prüfungen ersatzlos gestrichen


Azubis Wegen der Coronavirus-Krise gibt es auch für Auszubildende Veränderungen bei den Prüfungen. Die Industrie- und Handelskammern (IHK) kündigten am Mittwoch an, die geplanten Azubi-Zwischenprüfung für das Frühjahr 2020 ersatzlos zu streichen. Für die knapp 90 000 betroffenen Prüflinge bestehe keine Nachholpflicht, hieß es. In Baden-Württemberg geht es um rund 12 000 Personen. Die Zwischenprüfung diene in erster Linie dazu, zur Mitte der Berufsausbildung eine Rückmeldung über den Leistungsstand zu geben. Die Ergebnisse hätten keine Folgen für den Berufsabschluss, teilte der baden-württembergische IHK-Tag mit. Die Prüfungsleistung fließe nicht in das Endergebnis ein. Abschlussprüfungen wurden bereits abgesagt. Dafür würden neue Termine bekanntgeben, sobald sich die Risikoeinschätzung rund um das Coronavirus wieder verbessert habe.