Nicht nur die internationalen Verbündeten, auch die Ampelpartner setzen den Kanzler und die SPD in der Leopard-Frage immer stärker unter Druck. Dabei liefert Deutschland nicht weniger Waffen in die Ukraine als vergleichbare Länder. Aufgrund der erratischen Kommunikation des Kanzlers, die nicht nur in der westlichen Allianz, sondern auch in der eigenen Koalition Verwirrung stiftet, wirkt die Bundesrepublik jedoch zunehmend isoliert.
Die zögerliche Haltung der SPD ist in der Sorge begründet, der Ukrainekrieg könnte eskalieren. Zudem beruft man sich auf eine skeptische Grundstimmung in der Bevölkerung, die hinsichtlich Kampfpanzer-Lieferungen gespalten ist.
Allerdings fördert die Debatte ein tieferliegendes Defizit zutage: Es gibt hierzulande keine geostrategische Denkschule und dementsprechend noch immer keine überzeugende Antwort auf die Herausforderung, die Putins imperialer Angriffskrieg und sein Versuch einer Neuordnung Europas für die eigenen Interessen bedeutet. Dem selbst formulierten Anspruch, europäische Führungsmacht zu sein, wird man mit solchen Leerstellen nicht gerecht.