Es sind alarmierende Werte: Die Leistungen der Schülerinnen und Schüler in den vierten Klassen sind abermals und stärker als zuvor zurückgegangen. Laut dem am Freitag vorgestellten aktuellen Bildungstrend liegt das auch, aber nicht nur an den Auswirkungen der Corona-Pandemie. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wie groß sind die entstandenen Bildungslücken?

Bei der im Sommer vergangenen Jahres vorgenommen Überprüfung ging es um Leistungen in den Kernfächern Deutsch und Mathematik. Besonders stark haben im Vergleich zu den Vorgängerstudien von 2011 und 2016 die Werte in Deutsch im Teilbereich Zuhören abgenommen. Dort betragen die Lernrückstände nach Angaben des Forscherteams gegenüber 2011 ein dreiviertel Schuljahr. Beim Lesen und in Mathematik müssten die Kinder ein halbes Schuljahr aufholen. In Orthografie besteht gegenüber dem Vergleichswert von 2016 ein Defizit von einem Vierteljahr.
Laut der Studie sind die Kompetenzen im Bereich Lesen und Zuhören zurückgegangen.
Laut der Studie sind die Kompetenzen im Bereich Lesen und Zuhören zurückgegangen.
© Foto: Screentshot: IQB-Bildungstrend 2021
Auch in Orthografie und Mathematik haben die Fähigkeiten gelitten.
Auch in Orthografie und Mathematik haben die Fähigkeiten gelitten.
© Foto: Screenshot: IQB-Bildungstrend 2021

Welche Gruppen von Kindern sind besonders betroffen?

„Die stärksten Kompetenzrückstände sind fast durchgängig bei Schülerinnen und Schülern zu verzeichnen, die im Ausland geboren sind“, heißt es in dem vom Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) vorgelegten Bericht. Die zuwanderungs­bezogenen Unterschiede hätten sich in allen Bereichen „signifikant verstärkt“. Ebenso drohen aber ganz allgemein Kinder aus ärmeren Familien den Anschluss zu verlieren. Besonders bei den Fähigkeiten im Zuhören gehen die Werte steil nach unten.

Wie hängt das alles mit Corona zusammen?

Gemessen wurden die Lernstände zwischen April und August 2021, also zu einer Zeit, in der die meisten Kinder schon mehrere Monate Fernunterricht erlebt hatten. Insofern liegt es nahe, die stark gesunkenen Werte den Pandemie-Folgen zuzuordnen. Allerdings: Die Vergleiche wurden zu zwei Vorgängerstudien von 2011 und 2016 gezogen. Das bedeutet, dass die aktuellen Ergebnisse auch Entwicklungen in den vier Jahren vor der Pandemie widerspiegeln.
Dass der Negativtrend nicht nur an Corona liegen kann, wird auch dadurch deutlich, dass die Pfeile etwa in Lesen und Mathematik schon seit 2011 in ziemlich gerader Linie nach unten gehen.
Gleichwohl gehen die Studienautoren davon aus, dass die Pandemie „zumindest teilweise“ Grund für die Verschlechterung ist. Dabei weisen sie auf Ergebnisse anderer, auch internationaler Erhebungen hin, die diese Annahme stützen.

Gibt es auch etwas Positives in der Studie?

Ja. Die Zufriedenheit der Kinder mit der Schule hat in den vergangenen fünf Jahren leicht zugenommen. Und auch die soziale Eingebundenheit ist „unabhängig vom Zuwanderungshintergrund weiterhin hoch ausgeprägt“, wie es in der Studie heißt.

Wie können die Lücken wieder geschlossen werden?

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, die schleswig-holsteinische Bildungs­ministerin Karin Prien (CDU), verwies in einer ersten Reaktion auf das Corona-Aufholprogramm, das gerade von ursprünglich zwei Milliarden Euro auf 2,5 Milliarden aufgestockt und bis Mitte 2024 verlängert wurde.
Die Studienautoren bezweifeln aber, dass sich die Rückstände „durch temporäre Programme dauerhaft reduzieren“ lassen. Gerade die steigende Anzahl von Kindern, die in den untersuchten Kernbereichen sogar den Mindeststandard verfehlten, böten Anlass zur Sorge. Wichtig seien hier „langfristig angelegte Förder­strategien“. Diese Förderung müsse so früh wie möglich beginnen.

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