Nach einer qualifizierten Beratung sollen sich Eltern eines behinderten Kindes zwischen Sonderschule und Regelschule entscheiden. Eine spezielle Schulart, wie es in den vergangenen Wochen die Eltern von Henri forderten, einem Kind mit Down-Syndrom, kann jedoch nicht ausgewählt werden. Das bekräftigte zuletzt auch Baden-Württembergs Kultusminister Andreas Stoch (SPD).

Die Schulen sollen "die nötige personelle, räumliche und sächliche Ausstattung" erhalten. Fördermittel, die dem Kind zustehen, werden seiner Schule zugewiesen. Grundsätzlich gilt das Zwei-Pädagogen-Prinzip, die Kompetenz der Sonderschullehrer ist ausdrücklich erforderlich, sie werden Teil des Kollegiums an der Regelschule. Dieser Ausbau der Regelschulen geht nicht auf einen Schlag, zumindest im Grundschulbereich soll aber ein wohnortnahes inklusives Angebot aufgebaut werden. Dazu braucht es neben Geld auch ein geändertes Schulgesetz, das zum Schuljahr 2015/16 greifen wird. Es basiert auf Modellversuchen, die in mehreren Regionen (Freiburg, Konstanz, Mannheim, Stuttgart und Biberach) vor vier Jahren eingerichtet wurden.

Laut Sönke Asmussen, dem Leiter des Referats Sonderschulen und Inklusion im Kultusministerium, haben im Land derzeit 53 000 Kinder Anspruch auf sonderpädagogische Förderung. Viele davon besuchen Sonderschulen, die keinen offiziellen Schulabschluss anbieten.

Knapp 28 Prozent aller behinderten Schulkinder gehen in Baden-Württemberg bereits in eine Regelschule. Nicht zuletzt dank Frühförderung, Schulkindergärten und dem sonderpädagogischen Dienst sieht Asmussen das von der UN geforderte Bildungsrecht für Behinderte schon jetzt verwirklicht: "Da unterscheidet sich Deutschland erheblich von anderen Staaten."

Eine Stichprobe in der Modellregion Biberach hat ergeben, dass dort drei von vier Förderschülern die Sonderschule bevorzugen, ein Viertel besucht den gemeinsamen Unterricht an einer Regelschule. Das ist im Einzelfall aufwendig, aber ohne Alternative, sagt Asmussen. Schwerpunkt-Regelschulen, die Behinderte aufnehmen, werde es nicht geben, im Prinzip sollten alle Schulen aller Schularten inkludierten Unterricht anbieten.