Portrait Zur Person: Yusra Mardini, die glaubwürdige Botschafterin

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B4824/_Martial Trezzini © Foto: dpa
New York / Jan Dirk Herbermann 28.04.2017

Schnell schreitet die junge Frau mit dem dunklen Haar auf das Podium. Sie nimmt Platz, sie strahlt. Auf dem dunklen T-Shirt prangen die Buchstaben UNHCR. Das ist die Abkürzung für das Flüchtlingshilfswerk der Uno. „Ich fühle mich wirklich geehrt“, sagt Yusra Mardini (19). 

Seit Donnerstag ist die jugendliche syrische Flüchtlingsfrau Sonderbotschafterin des UNHCR  – die jüngste in der Geschichte des Hilfswerks. Yusra verspricht, sie werde sich stark machen „für Frieden, für Anständigkeit und Würde. Sie werde sich  für alle diejenigen einsetzen, die vor Gewalt fliehen“. Eine glaubwürdigere Person hätte das Flüchtlingshilfswerk kaum finden können. Denn Yusra, so sagt der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Filippo Grandi, stehe für die „Hoffnungen, die Ängste und das unglaubliche Potenzial“ von Millionen.

2015 floh Yusra vor der Gewalt aus ihrem Heimatland Syrien. Über die Türkei und die Ägäis sollte es an Europas rettende Ufer gehen. Doch das Boot drohte zu kentern. Yusra, ihre Schwester und andere sprangen ins Wasser, zogen den Kahn stundenlang durch die Fluten in Sicherheit, retteten die 20 Menschen an Bord. Von Griechenland fand Yusra mit hunderttausenden anderen Flüchtlingen nach Deutschland. Yusras Energie, ihr Talent und ihr unerschütterlicher Optimismus ebneten ihr später den Weg zu den Olympischen Spielen nach Rio de Janeiro. Sie ging 2016 als Schwimmerin für das neugebildete Team aus Flüchtlingen an den Start.

Spätestens seit Rio steht Yusra im Rampenlicht. „Ich halte viele Reden in Schulen, bei jungen Menschen. Sie trainiert in Berlin bei den Wasserfreunden Spandau 04 und geht auch in der deutschen Hauptstadt zur Schule. „Ich werde niemals vergessen was die Deutschen alles für uns Flüchtlinge aus Syrien getan haben.“