MARCO HADEM, DPA Als Chef des Präsidialamtes gilt er als ranghöchster Beamter Deutschlands. Der geräuschlose Lothar Hagebölling ist der neue engste Vertraute Wulffs.

Akkurat, konservativ, unauffällig: Öffentliche Auftritte wusste Lothar Hagebölling schon in seiner Zeit als Chef der niedersächsischen Staatskanzlei zu vermeiden. Der 59-jährige Jurist wirkt am liebsten im Hintergrund. Ehemalige Mitarbeiter beschreiben ihn als ruhigen und akkuraten Arbeiter, der großen Wert auf eine feste Hierarchie legt. Er wurde in Coesfeld bei Münster geboren und gilt als Verehrer des Preußentums, in seinem Büro in Hannover hing ein großes Gemälde von Friedrich dem Großen.

Christian Wulff holt ihn 2006 aus dem niedersächsischen Finanzministerium an die Spitze der Staatskanzlei, wo er fortan zusammen mit dem damaligen Regierungssprecher Olaf Glaeseker zu den engsten Vertrauten Wulffs gehört. Während Glaeseker in der Folge am liebsten die "großen Fäden" im Hintergrund zieht, kümmert sich Hagebölling auch um das "landespolitische Kleinklein".

Trotz seines diskreten und stets höflichen Auftretens: Hagebölling ist durchsetzungsfähig und kann bei Bedarf auch lauter werden. Privat bevorzugt der verheiratete Vater zweier Kinder das ruhige Leben im beschaulichen Braunschweig. Auch nach seiner Berufung an die Spitze des Bundespräsidialamtes zieht er nicht nach Berlin um, auch in der Hauptstadt wird er als verschwiegener Organisator geschätzt.

Protokollarisch ist Hagebölling als Chef des Präsidialamtes der ranghöchste Beamte Deutschlands. Seit Wulffs "siamesischer Zwilling" Glaeseker das Schloss Bellevue verlassen hat, ist er an dessen Stelle des engsten Vertrauten getreten.

Beim Fernsehinterview des Bundespräsidenten von ARD und ZDF Anfang Januar war er für die Zuschauer zwar nicht sichtbar - aber die ganze Zeit an der Seite seines umstrittenen Chefs.