Zur Person Zur Person: Die Bahamas holen Trudeau ein

 (FILES) This file photo taken on November 11, 2017 shows Canada's Prime Minister Justin Trudeau speaking at a press conference at the conclusion of the Asia-Pacific Economic Cooperation (APEC) Summit in the central Vietnamese city of Danang.
Prime Minister Justin Trudeau broke ethics rules when he and his family vacationed at the private island of billionaire philanthropist and spiritual leader the Aga Khan, Canada's ethics watchdog ruled on December 20, 2017.The breach is the first ever by a sitting Canadian prime minister, but carries with it no sanctions.In a statement, Ethics Commissioner Mary Dawson said the Trudeau family post-Christmas vacation last year contravened the Conflict of Interest Act.

 / AFP PHOTO / LILLIAN SUWANRUMPHA
(FILES) This file photo taken on November 11, 2017 shows Canada's Prime Minister Justin Trudeau speaking at a press conference at the conclusion of the Asia-Pacific Economic Cooperation (APEC) Summit in the central Vietnamese city of Danang. Prime Minister Justin Trudeau broke ethics rules when he and his family vacationed at the private island of billionaire philanthropist and spiritual leader the Aga Khan, Canada's ethics watchdog ruled on December 20, 2017.The breach is the first ever by a sitting Canadian prime minister, but carries with it no sanctions.In a statement, Ethics Commissioner Mary Dawson said the Trudeau family post-Christmas vacation last year contravened the Conflict of Interest Act. / AFP PHOTO / LILLIAN SUWANRUMPHA © Foto: LILLIAN SUWANRUMPHA
Ottawa / Jörg Michel 22.12.2017

Mit Selfies und bunten Socken setzt sich der Premierminister gern in Szene. Justin Trudeau scheut kein Hochglanzmagazin und keine Kamera. Er fasziniert die Welt durch seinen lockeren Auftritt, seine fortschrittliche Agenda, seine jugendliche Aura. Sogar Donald Trump hält erklärtermaßen große Stücke auf ihn – und das will was heißen.

Gut zwei Jahre regiert Trudeau mittlerweile in Kanada und bislang schien zumeist alles prima. Der poppige Premier sonnte sich in guten Umfragewerten und überstand auch locker so manchen Fehltritt, zum Beispiel, als er eine Oppositionsabgeordnete im Parlament einmal rüde anrempelte. Doch zur Hälfte seiner Amtszeit ist der Premier jetzt in die Krise gerutscht. Erstmals seit seiner Wahl im Herbst 2015 hat Trudeau in Kanada mehr Kritiker als Unterstützer. Das Angus-Reid-Institut aus Vancouver hat jetzt ermittelt, dass nur noch 46 Prozent der Kanadier ihren Premier gut finden, fast 20 Punkte weniger als zu Höchstzeiten. 49 Prozent dagegen missbilligen seine Amtsführung.

Auslöser sind eine Reihe politischer Fehleinschätzungen, darunter eine geplante Steuerreform für Familienunternehmen. Diese kommt bei vielen Kanadiern gar nicht gut an, weil sie viele Kleinunternehmer zusätzlich belastet. Vor allem aber haben immer mehr Zweifel an der Glaubwürdigkeit ihres Premierministers und seines Kabinetts.

Auf der Privatinsel

Trudeaus Finanzminister Jim Morneau etwa steht seit Wochen am Pranger, weil er nach Ansicht seiner Kritiker private und geschäftliche Interessen vermischt haben soll. Genau denselben Vorwurf muss sich nun auch Trudeau selbst gefallen lassen – und zwar von niemand geringerem als der hoch angesehenen Ethik-Beauftragten des kanadischen Parlaments. Die Trudeaus hatten die Weihnachtsferien vor einem Jahr auf den Bahamas auf der Privatinsel des Aga Khan verbracht, einem der reichsten Männer der Welt. Die gemeinnützige Stiftung des Aga Khan wirbt auch um kanadische Steuergelder und ist bei der Regierung als Lobbyist registriert.

Ein Jahr lang hatte die Beauftragte die Umstände untersucht. Am Mittwoch stellte sie nun ihren Bericht vor. Danach befand sich der Premierminister in einem offensichtlichen Interessenkonflikt und hat gleich in mehreren Punkten gegen die Ethik-Regeln verstoßen. Die Opposition warf Trudeau vor, er habe mittlerweile jegliche Bodenhaftung verloren. Doch sein schillernder Promi-Status überstrahlt  weiterhin alles. 

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