ZUR PERSON: Der Charme des Jesuiten

Chef des Presseamtes des Vatikan: Federico Lombardi.
Chef des Presseamtes des Vatikan: Federico Lombardi.
BETTINA GABBE 29.08.2012
Offener als sein Vorgänger leitet Federico Lombardi das Presseamt des Vatikan - und doch ist vieles geheim. Heute wird der Jesuitenpater 70 Jahre alt.

Federico Lombardi übt eine der unbequemsten Aufgaben aus, die der Papst derzeit zu vergeben hat: In Zeiten kirchlicher Missbrauchsskandale, Vorwürfen der Geldwäsche und Fragen rund um den Vatileaks-Skandal förmlich belagert, vertritt der Jesuitenpater die Kirchenspitze vor den Medien. Heute feiert er seinen 70. Geburtstag.

Der 2006 von Papst Benedikt XVI. zum Nachfolger des Spaniers Joaquín Navarro-Valls ernannte Vatikansprecher übt den Spagat zwischen Transparenz und traditioneller Geheimhaltung. Der Verrat des ehemaligen Kammerdieners von Benedikt XVI. wird mit dem zu erwartenden Prozess neue Herausforderungen für den stets freundlich und verbindlich auftretenden Norditaliener bieten. Denn nach dem Kirchenrecht ist der Prozess öffentlich. Journalisten aus aller Welt werden wie nie zuvor Schlange stehen.

Lombardis Vorgänger ließ aus den USA angereisten Journalisten anlässlich der Einberufung der US-Bischöfe zum Rapport über den Umgang mit Missbrauch eine vorgefertigte Erklärung vorlesen. Seit der Italiener das Presseamt leitet, werden Medienvertreter nicht mehr so offensichtlich verhöhnt. Doch auch Lombardi gibt nicht mehr preis, als die Kurie zulässt.

Der Jesuit spricht im Vatikan akkreditierte Journalisten gerne mit "Du" an. Nur wenige trauen sich, im Umgang mit ihm auf das "Sie" zu verzichten. Mit scheinbarer Leichtigkeit leitet der in Saluzzo bei Turin geborene Lombardi Radio Vatikan und das vatikanische TV-Zentrum CTV. Die Sprache seines Dienstherrn lernte er nach Abschlüssen in Philosophie und Mathematik beim Theologiestudium in Frankfurt. Nach der Priesterweihe 1972 arbeitete er bei der Jesuitenzeitschrift "Civiltà cattolica", bevor er Jesuitenprovinzial für Italien wurde.