Skhirat Zur Person Fajis al-Sarradsch: Ein Außenseiter soll versöhnen

Der neue libyische Regierungschef Fajis al-Sarradsch soll seinem Land Frieden bringen.
Der neue libyische Regierungschef Fajis al-Sarradsch soll seinem Land Frieden bringen. © Foto: afp
Skhirat / DPA 19.12.2015
Er hat keine Hausmacht und keine politische Erfahrung: Der Architekt Al-Sarradsch soll als Regierungschef die verfeindeten Kräfte in Libyen einen.

Der UN-Friedensplan für Libyen sieht den Architekten und Geschäftsmann Fajis al-Sarradsch als neuen Ministerpräsidenten einer Regierung der nationalen Einheit vor. Als der 55-Jährige zur ersten Erklärung nach Unterzeichnung des Abkommens ans Mikrofon trat, verhaspelte sich ein paar Mal.

Wichtiger aber war der Inhalt seiner Worte: "Die nächste Phase braucht die Bemühungen aller Libyer", sagte Al-Sarrdsch in dem marokkanischen Badeort Skhirat. "Alle Libyer sollen Teil des Abkommens werden."

Vor dem neuen Regierungschef liegt eine Mammutaufgabe, für die er vor allem taktisches Gespür brauchen wird. Nicht zuletzt an Al-Sarradsch wird es liegen, die vielen verfeindeten Gruppen in dem nordafrikanischen Land zusammenzuhalten und Gegner des Friedensplans zu überzeugen. Die haben sich bereits zu Wort gemeldet. Der Präsident des international anerkannten Parlaments in der ostlibyschen Stadt Tobruk, Akila Saleh, erklärte demnach, das Abkommen sei verfassungswidrig und verstoße gegen die "nationale Würde". Er zählt zu den führenden Politikern des Landes.

Al-Sarradsch ist ein Kompromisskandidat, er ist mit keiner der mächtigen Parteien verbunden. Das kann von Vorteil sein, weil er als neutral gilt. Aber ihm fehlt zugleich eine Hausmacht, auf die er sich stützen kann. Sitz seiner Regierung soll die Hauptstadt Tripolis sein, die von islamistischen Milizen kontrolliert wird.

Der 55-Jährige stammt aus einer wohlhabenden Familie, sein Vater war zu Zeiten des libyschen Königreichs Minister. Al-Sarradsch selbst ist eigentlich Architekt. Bis zum Sturz von Langzeitherrscher Muammar al-Gaddafi war er politisch nicht tätig. Zu Zeiten des Diktators arbeitete er allerdings unter anderem für das Wohnungsbauministerium.

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