Zur Person Anas al-Abdah: Ein Geologe als Oppositionschef

Als Kompromisskandidat zum Chef der syrischen Opposition gewählt: Anas al-Abdah.
Als Kompromisskandidat zum Chef der syrischen Opposition gewählt: Anas al-Abdah. © Foto: dpa
MARTIN GEHLEN 10.03.2016
Anas al-Abdah ist der neue Mann an der Spitze der syrischen Exilopposition. Von London aus hat er schon früh das Assad-Regime bekämpft.

In der letzten Woche machte die syrische Exilopposition in Istanbul ihrem ramponierten Ruf mal wieder alle Ehre. Tagelang wurde geschimpft und gedroht und um den nächsten Mann auf dem Chefposten gestritten. Michael Kilo, der eigentliche Favorit, warf entnervt die Brocken hin. Auch aus dem Lager der Muslimbrüder wollte dann niemand mehr antreten. Und so fiel die Wahl auf einen blassen Kompromisskandidaten: den in London lebenden Geologen Anas al-Abdah.

Lediglich 63 der 103 Delegierten der "Nationalen Koalition der syrischen Revolutions- und Oppositionskräfte" votierten für den 49-Jährigen. Er folgt dem Kurden Khaled al-Khoja, dessen Amtszeit auslief. Al-Abdah gilt als gemäßigter Islamist. Er wurde 1967 in Damaskus geboren. 1980 ging er nach Jordanien und studierte Geologie. Nach dem Examen zog er 1989 nach Großbritannien, wo er in Newcastle ein Aufbaustudium in Geophysik begann.

Seit 1991 lebt Al-Abdah in London und arbeitet dort als technischer Manager. Schon damals engagierte er sich in der Exilopposition gegen das Assad-Regime. 2006 gründete er die "Bewegung für Gerechtigkeit und Entwicklung in Syrien", ein Netzwerk von Gleichgesinnten, die nach eigenem Bekunden "für einen friedlichen, demokratischen Wechsel in Syrien eintreten". In den zurückliegenden fünf Jahren Bürgerkrieg meldete sich die Bewegung von Anas al-Abdah immer wieder mit scharfer Kritik an dem Regime in Damaskus zu Wort.

Al-Abdah übernimmt die Führung der "Nationalen Koalition" zu einem Zeitpunkt, an dem entscheidende Weichen für Syrien gestellt werden könnten. Seit zwei Wochen ist ein fragiler Waffenstillstand in Kraft. In Genf sollen in Kürze die Friedensvermittlungen wieder aufgenommen werden.

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