Nachruf Zum Tod von Kofi Annan: Ein Hauch von Heiligkeit

Kofi Annan ist mit 80 Jahren gestorben. Das Bild zeigt ihn 2012.
Kofi Annan ist mit 80 Jahren gestorben. Das Bild zeigt ihn 2012. © Foto: Sebastien Bozon/afp
Genf / Jan Dirk Herbermann 20.08.2018

Schon zu Lebzeiten galt Kofi Annan als Lichtgestalt. In dem langjährigen UN-Generalsekretär (1997-2006) schienen sich alle Tugenden zu bündeln. Annan stand für Anstand in einer schlechten Welt. Der frühere US-Botschafter bei den UN, Richard Holbrooke, erklärte ihn zum „Rockstar der Diplomatie.“ Der afghanische Staatschef Hamid Karsai würdigte ihn als „Präsidenten der Welt“. Nach dem Tod des Friedensnobelpreisträgers mit 80 Jahren am Samstag häufen sich erneut die Superlative.

Zwar erzielte der erste Generalsekretär aus dem Afrika südlich der Sahara einige Erfolge bei der Reform des schwerfälligen UN-Apparates. Und im kollektiven Gedächtnis bleibt der mutige Widerspruch des Mannes aus Ghana gegen die US-geführte Invasion im Irak 2003 fest verankert. Ein Krieg ohne UN-Mandat sei illegal, beschied der Generalsekretär damals. Mit Annans Name verbinden sich aber auch Schlappen und Tragödien. Der siebte UN-Generalsekretär stieß schnell an die Grenzen des „unmöglichsten Jobs der Welt“, wie der erste Generalsekretär Trygve Lie den Posten nannte.

Unter Annans Ägide hatten die Vereinten Nationen feierlich die sogenannten Millenniums-Entwicklungsziele proklamiert. Die Armen im Süden sollten bis 2015 stärker am Wohlstand teilhaben. Zentrale Vorgaben wurden jedoch nicht erreicht. Auch die Annan’sche Friedens-Bilanz fällt gemischt aus. Er schaltete sich zwar erfolgreich in die Unabhängigkeitsbestrebungen Ost-Timors ein. Schwere internationale Krisen wie diejenige um Irans mutmaßliches Atomwaffenprogramm konnte Annan aber nicht entschärfen.  Er mühte sich auch vergeblich, die Gemetzel in Sudans Provinz Darfur zu stoppen. Eine Demütigung erlebte Annan durch Iraks Diktator Saddam Hussein. Er wollte erreichen, dass der Irak mit den UN-Waffeninspektoren kooperiert. Doch Saddam scherte sich nicht um seine Zusagen.

Annans Vater, ein Adliger, verlangte von seinem Sohn immer Topleistungen. Kofi studierte Volkswirtschaftslehre und Management in den USA, seine Kenntnisse der internationalen Politik verfeinerte er in Genf. In der Weltgesundheitsorganisation in Genf begann Anfang der 1960er Jahre sein Aufstieg. Es folgten UN-Stationen auf verschiedenen Kontinenten. Mit jedem Job wurde er geschmeidiger, geschickter und ehrgeiziger. Schließlich fanden die USA Gefallen an Annan und verhalfen ihm an die UN-Spitze.

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