Kommentar Christian Rath zum EuGH-Urteil zur Gentechnik Zu vorsichtiges Urteil

Christian Rath
Christian Rath © Foto: Autorenfoto/swp
Freiburg/Luxemburg / Christian Rath 26.07.2018

Das Urteil des europäischen Gerichtshofs (EuGH) zu neuen  Pflanzenzuchtverfahren überrascht. Beim EuGH scheint eine Technik schon deshalb als riskant zu gelten, weil Gentechnik im Spiel ist. Warum aber wird es als „sichere“ Methode eingestuft, wenn Pflanzen bei der Züchtung mit Radioaktivität und Chemikalien zu wahllosen Mutationen angeregt werden, während beim präzisen Einsatz der Gen-Schere Crispr/Cas große Bedenken formuliert werden? Ungezielte Mutationen sollen unproblematisch sein, gezielte Mutationen aber riskant? Das kann nicht überzeugen.

Ist also der Vorwurf der Industrie nachvollziehbar, der EuGH habe hiermit hoffnungsvolle Innovationen abgewürgt? Auf den ersten Blick nicht. Die Bio-Industrie sollte keine Angst vor Umweltverträglichkeitsprüfung haben, wenn die neue Technik wirklich ungefährlich ist. Auch die Kennzeichnung ist zumutbar.

Das Problem ist eher die Abneigung der Verbraucher gegenüber gentechnisch veränderten Produkten. Mit seinem übervorsichtigen Urteil hat der EuGH der diffusen Angst vor der Gentechnik wieder neue Nahrung gegeben.

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