Kommentar Dieter Keller zum Zustand der deutschen Straßen Zu viel gespart

Dieter Keller
Dieter Keller © Foto: swp
Berlin / Dieter Keller 16.08.2018

Angesichts des Autobahneinsturzes in Genua, der viele Opfer gefordert hat, fehlen einem die Worte. Leider gilt das nicht für die italiensche Regierung. Verkehrsminister Danilo Toninelli hat sofort die Schuldigen ausgemacht: die Autobahngesellschaft und die EU, weil sie das Land zum Sparen anhält. Von einem möglichen Versagen der Überwachung durch Behörden und Regierung redet der Minister dagegen nicht. Genau derselbe übrigens, der noch vor zwei Wochen eine Entlastungsstrecke für unnötig gehalten hat.

In Deutschland ist ein solches Unglück zwar nicht völlig auszuschließen, aber doch wenig wahrscheinlich. Was Experten sagen, klingt plausibel: Die Brücken, ob auf den Autobahnen oder in den Städten, werden regelmäßig genau untersucht. Richtig ist aber leider auch, dass lange Jahre viel zu wenig in den Erhalt investiert wurde. Das rächt sich heute, weil häufig ein teurer Neubau nötig ist, wo vor einiger Zeit noch eine Sanierung gereicht hätte. Zudem wurden die Kapazitäten bei Planungsbehörden und Baufirmen stark reduziert. Geld allein reicht daher nicht, den Rückstand aufzuholen. Die Autofahrer werden die Folgen noch lange spüren.

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