Iran Zittern vor den US-Sanktionen

All die flammenden Reden des iranischen Präsidenten Hassan Rohani helfen nichts: Das Volk fürchtet sich vor den Folgen der US-Sanktionen.
All die flammenden Reden des iranischen Präsidenten Hassan Rohani helfen nichts: Das Volk fürchtet sich vor den Folgen der US-Sanktionen. © Foto: Vahid Salemi/AP/dpa
Teheran / Martin Gehlen 31.07.2018

 Das Foto aus dem iranischen Regierungsjets sollte Gelassenheit signalisieren. Hassan Rohani und Mohammad Javad Zarif auf bequemen Sesseln, vor sich einen Laptop, beide schüttelten sich vor Lachen. „Der iranische Präsident und der Außenminister lesen Tweets von Trump“, lautete die spöttische Twitter-Botschaft. In Großbuchstaben hatte der US-Präsident zuvor Teheran mit Konsequenzen gedroht, „wie sie im Laufe der Geschichte bisher nur wenige erlitten haben.“ Rohani konterte ihm mit der Gewissheit einer Nation, die seit mehr als 3000 Jahren existiert, und auf ein historisches Greenhorn wie die USA nur milde herabblicken kann.

Doch der Schein trügt. In Wirklichkeit liegen in Irans Führung die Nerven blank. Immer mehr ausländische Firmen verlassen das Land, und eigentlich weiß niemand, wie es weitergehen soll. Nichts geht voran bei den Dauerkrisen, die den Iran seit Jahren plagen – Arbeitslosigkeit und Armut, Korruption und Bankenversagen, Wassernot, chronischer Unmut. Obendrein stürzt die iranische Währung erneut rasant ab, eine Woche vor den neuen US-Sanktionen, die am kommenden Montag in Kraft treten.

Selbst im Staatsfernsehen platzte dieser Tage einem Wirtschaftsprofessor in einer Debatte der Kragen. Menschen hätten kein Vertrauen mehr in das Bankenwesen, erklärte Hossein Raghfar. Offizielle würden ein aristokratisches Leben im Norden Teherans führen, fernab von dem Elend und der Not im Süden der Metropole, schimpfte er und sprach vielen Mitbürgern aus dem Herzen. Rohanis Regierung habe keine Vorstellung, welche Folgen die US-Sanktionen haben könnten, kritisierte auch der bekannte Wirtschaftsanalytiker Saeed Laylaz, der dem Reformlager nahesteht. „Ihre Strategie ist die einer Feuerwehr, sie kommen erst zum Löschen, wenn es bereits brennt.“

Und so verdichten sich in diesen hektischen Tagen die Anzeichen, dass die bedrängte Führung versuchen könnte, die gesamte politische Elite des Landes zu mobilisieren, die tiefen Gräben zwischen Hardlinern und Reformern zu überbrücken, um gemeinsam die Existenz der Islamischen Republik zu retten.

Seit dem Wochenende kursiert außerdem das Gerücht, der jahrelange Hausarrest der Ikonen der Grünen Bewegung von 2009, Mir-Hossein Mousawi, seiner Frau Zahra Rahnavard und Mehdi Karroubi, könnte bald aufgehoben werden.

Gleichzeitig soll offenbar auch der jahrelange Medien-Bann für den inzwischen 74-jährigen Ex-Reformpräsidenten Mohammad Chatami fallen. Karroubi-Sohn Hossein ging als erster mit der Neuigkeit an die Öffentlichkeit und berief sich dabei auf Kontakte zum Nationalen Sicherheitsrat.

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