TV Kommentar zur ARD: Zeigt doch mal was ihr habt

Mathias Puddig
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Mathias Puddig 30.12.2017
Die ARD hat attraktive Inhalte, doch sie zeigt sie oft zu schlechten Sendezeiten. Das zu ändern, bringt mehr als zu jammern.

Bei aller Bereitschaft, auch neue Wege einzuschlagen, kommt der künftige ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm recht schnell wieder ins Jammern. Das Geld reiche vorn und hinten nicht, die Politik stelle widersprüchliche Forderungen, und das Kartellrecht verhindere eine engere Zusammenarbeit mit dem ZDF. Dazu komme, dass soziale Netzwerke den politischen Diskurs bestimmten und viele Menschen aus ihren Filterblasen nicht mehr herauskommen.

Um diese Blasen zum Platzen zu bringen, macht Wilhelm es sich leicht: Er schlägt vor, weniger politische Talkshows zu senden und mehr auf andere Formate wie Dokumentationen zu setzen. Welch wohlfeile Kritik! Wilhelm kann sich des Applauses gewiss sein: Fast jeden Tag läuft in der ARD oder im ZDF eine Talkshow, oft mit denselben Gästen und ähnlichen Themen. Tatsächlich gibt es Politiker, die in diesem Jahr fast monatlich in einer der Sendungen Platz genommen haben. Vielfalt sieht anders aus. Die Talkshows deshalb gegen Dokumentationen und Themenabende auszuspielen, ist trotzdem verkehrt.

Viel sinnvoller wäre es, die Gesprächsrunden zu verbessern, überraschende Gäste einzuladen und sie dann auch einmal ausreden zu lassen. Den Einsatz anderer Formate schließt das überhaupt nicht aus. Oft genug finden die bei der ARD sogar schon statt. Die „Bimbes“-Doku über Helmut Kohls schwarze Kassen, die Anfang des Monats gezeigt wurde, ist ein Beispiel dafür. Allein, und dieser Ärger ist seit Jahren der gleiche, sie wurde im Programm mal wieder mitten in der Nacht versteckt. Die ARD hat attraktive politische Inhalte – auch wenn es stets mehr sein könnten. Das, was sie hat, muss sie dann zeigen, wenn viele es sehen können.