Günther Auth ist am Ziel. Seit 7. Januar sitzt er als Dozent der Münchner Ludwig-Maximilian-Universität auf einer unbefristeten Stelle. Mit 47 Jahren hat der Politologe - Schwerpunkt: Internationale Beziehungen - endlich Planungssicherheit für sein Berufs- und Privatleben. Er musste dafür kämpfen - mit einer Klage. Die Uni hatte seine Anstellung als "Lehrkraft für besondere Aufgaben" im Sommer 2013 nach etwa zehn Kurzfristverträgen in zehn Jahren auslaufen lassen. Das Landesarbeitsgericht gab ihm Recht.

Ähnliche Fälle wurden zuletzt aus mehreren Städten bekannt. In Gießen erhielt ein wissenschaftlicher Mitarbeiter 16 Arbeitsverträge in zehn Jahren, in Dresden kam es gar zu 25 Befristungen in nur sechs Jahren - beide Betroffenen klagten.

Inzwischen bilden qualifizierte Mitarbeiter deutscher Hochschulen eine Art "Wissenschaftsprekariat", wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" das Phänomen kürzlich nannte. Teilweise von der Bildungsgewerkschaft GEW unterstützt, wehren sich die Lehrkräfte gegen zermürbende Zeitverträge, die das 2007 in Kraft getretene "Wissenschaftszeitvertragsgesetz" ermöglicht.

Nach GEW-Schätzung sind alles in allem fast 200 000 Wissenschaftler des sogenannten "Mittelbaus" - also unterhalb der Professur - von dem "weitreichenden Sonderarbeitsrecht" betroffen. An Unis und Fachhochschulen werde inzwischen zu 90 Prozent befristet. "Das ist nicht nur schlecht für die Betroffenen, darunter leiden auch Kontinuität und Qualität der Lehre", sagt der stellvertretende Gewerkschaftsvorsitzende Andreas Keller - und setzt darauf, dass die große Koalition dieses Jahr wie angekündigt das Gesetz reformiert.

Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) sieht die Sache anders: Erhebungen der Universitätskanzler deuteten "auf eine Quote von circa 20 bis 25 Prozent unbefristet beschäftigter Wissenschaftler neben der Professur hin", sagt HRK-Präsident Horst Hippler. Es gebe für Wissenschaftler ja auch Jobs außerhalb des Hochschulbetriebs, "und man benötigt an den Hochschulen Flexibilität", so Hippler.

"Ich wusste eigentlich nie, ob ich jemals eine feste Stelle kriege", sagt Günther Auth, bei dem zeitweise ein Erschöpfungssyndrom diagnostiziert wurde. Dem Hochschullehrer half sehr, dass auch Fachschaft und Studenten ihn unterstützten. "Diese Kampagne hat mich noch stärker überzeugt, dass meine Klage-Entscheidung richtig war."

Steffen Bandlow-Raffalski ist wie Günther Auth Politologe. Für Geisteswissenschaftler wie ihn ist es besonders schwierig, außerhalb der Hochschulen beruflich Fuß zu fassen. Der 31-Jährige hat zwei kleine Kinder - und seit Herbst vorigen Jahres zwei halbe Stellen als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Oldenburg. Damit eine Familie ernähren? Kaum möglich.

"Wie prekär das sein kann, wird einem erst bewusst, wenn man drin steckt", sagt Bandlow-Raffalski. Nur weil seine Frau als Lehrerin fest angestellt ist, konnte er die Uni-Laufbahn einschlagen. Er kennt genug Kollegen, die jedes Mal zittern, ob der Vertrag verlängert wird, oder die nur eine Beschäftigung für wenige Monate bekommen.

Nicht nur Unsicherheit über die Zukunft, sondern auch finanzielle Sorgen plagen Hendrik Schröder, der an der Universität Bremen arbeitet. Der 31-Jährige verdient mit seiner halben Stelle gerade mal 1300 Euro netto im Monat. Im April läuft sein Drei-Jahres-Vertrag aus - und wird wohl um ein Jahr verlängert. Aber: "Eine wirkliche Perspektive für soziale Absicherung existiert nicht."

Das ist erlaubt

Gesetz Das Wissenschaftszeitvertragsgesetz von 2007 legt fest: "Das wissenschaftliche und künstlerische Personal, das nicht promoviert ist, kann bis zu sechs Jahre befristet beschäftigt werden." Nach Abschluss der Promotion ist demnach eine Befristung bis zu sechs Jahren, im Bereich Medizin bis zu neun Jahren zulässig. Auch hauptberuflich tätige Lehrende ("für besondere Aufgaben" oder Lecturer) sind davon betroffen.