Kolumbien Zäsur in Bogota: Farc schneidet schlecht ab

Bogota / Tobias Käufer 13.03.2018

Ein paar Tage vor dem Urnengang veröffentlichte Farc-Chef Rodrigo Londono alias „Timochenko“ ein vielsagendes Foto im Kurznachrichtendienst Twitter. Es zeigte Dutzende Fotografen und Journalisten bei einer Pressekonferenz in der kolumbianischen Hauptstadt Bogota. Sie alle waren gekommen, um den Boss der inzwischen entwaffneten Guerilla zu hören. Die meisten stammten aus dem Ausland und machten aus ihrer Sympathie für den Linksfundamentalisten keinen Hehl. Guerilla-Romantik hat ihren Reiz, zumindest solange einen die revolutionäre Gewalt nicht selbst trifft.

 Die Presseresonanz auf das Wahldebüt der Farc nach der Unterzeichnung des Friedensvertrages Ende 2016 war enorm. Und vielleicht blendete das die Farc-Kommandanten, die das Bad im Blitzlichtgewitter und im Journalistengedränge genossen. Die Weltpresse, die New York Times, der Guardian, der Spiegel, die Deutsche Welle berichteten ausführlich. Über die Farc-Kommandanten versteht sich, aber kaum über deren Opfer.

Die kolumbianische Wahrheit ist aber eine andere. Wer die Wahlkampfauftritte der Farc abseits der Pressekonferenzen erlebte, sah eine ganz andere Realität. Mal musste Farc-Chef Timochenko vor aufgebrachtem Fußvolk in Sicherheit gebracht werden, mal schallten seinem Stellvertreter Ivan Marquez „Mörder, Mörder“-Rufe entgegen.

Konservative setzen sich durch

Bei der Parlamentswahl am Sonntag holte die medial so grell begleitete Farc-Partei nicht einmal 0,5 Prozent der Stimmen. Wieder zeigt sich das Ausland überrascht. Wie schon beim knappen Nein der Kolumbianer bei der Volksabstimmung über den ersten Entwurf des Friedensvertrages vor zwei Jahren. Dabei ist es eigentlich einfach: Die Mehrheit der Kolumbianer will, dass die Farc­Kommandanten für die von ihnen befohlenen schweren Menschenrechtsverletzungen eine Strafe verbüßen.

Trotzdem sitzen künftig zehn Farc-Vertreter in den beiden Parlamentskammern. Das Wahlergebnis gibt der alten Guerilla eine Chance zum Neuanfang. Sie muss sich intern neu aufstellen. Und das wird nur mit neuem Personell gehen. Erst dann wird das kolumbianische Wahlvolk der Farc eine Chance geben.

Gewonnen haben die konservativen Parteien. Die rechtskonservative Centro Democrático von Ex-Präsident Álvaro Uribe wird laut vorläufigen Ergebnissen stärkste Kraft im Senat. Nach Auszählung von mehr als 97 Prozent aller Stimmen erhielten die Kritiker des Friedensvertrags rund 16,5 Prozent und können nach Angaben der Wahlbehörde mit 19 Sitzen im Oberhaus rechnen. Im Abgeordnetenhaus führt die Partei der Liberalen, die auf etwa 35 Sitze kommt, dicht gefolgt von Uribes Rechtsaußenpartei mit voraussichtlich 32 Sitzen.

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