Winfried Nachtwei (68) hat nicht lange nachgedacht über das Angebot von Ursula von der Leyen, die Experten-Kommission zum Skandal-Gewehr G36 zu leiten. Der frühere Grünen-Abgeordnete, der im Herbst 2009 nach 15 Jahren im Bundestag in den Ruhestand wechselte, sagte der CDU-Verteidigungsministerin zu, weil er zwei entscheidende Voraussetzungen für diesen Job mitbringt - Sachverstand und Unabhängigkeit.

Im Parlament hatte sich der Geschichtslehrer aus dem Ruhrgebiet einen Namen als Außen- und Verteidigungspolitiker gemacht, und er lernte in seinen Bonner und Berliner Jahren nicht zuletzt vier verschiedene Verteidigungsminister kennen: Volker Rühe und Franz Josef Jung (beide CDU), Rudolf Scharping und Peter Struck (beide SPD). Nachtwei selbst brachte es nach dem Abitur als Wehrpflichtiger bei der Bundeswehr immerhin zum Leutnant, später jedoch wurde er zum Friedensaktivisten im Protest gegen den Vietnam-Krieg und zum Mitglied des Kommunistischen Bunds Westdeutschland.

Nachtwei erfreute sich im Bundestag über Fraktionsgrenzen hinweg großer Anerkennung, und er blieb seinem Politikfeld auch nach dem Ausscheiden treu - in Afghanistan war er bis heute 18 Mal, immer "bewaffnet" mit Fotoapparat und Notizblock, um sein persönliches Archiv auf dem aktuellsten Stand zu halten. Dass er die G36-Affäre akribisch und ohne Ansehen von verantwortlichen Personen aufklären wird, bezweifelt niemand. Beobachter halten es für einen klugen Schachzug der Verteidigungsministerin, mit Nachtwei und dem scheidenden Wehrbeauftragten Helmut Königshaus (FDP) zwei Experten in die Kommission zu berufen, die nicht den Parteien der regierenden Koalition angehören.