Kommentar Zum Zerwürfnis Londons mit Moskau: Willkommener Gegner

Hendrik Bebber, London
Hendrik Bebber, London © Foto: Knips
London / Hendrik Bebber 14.03.2018
Das Verhältnis London–Moskau ist wegen der Nervengiftkrise zerrüttet. Beide Seiten nutzen den Konflikt innenpolitisch.

Schon kursieren im Internet alte Karikaturen aus dem Krimkrieg, auf denen der britische Löwe dem russischen Bären die Zähne zeigt. Theresa Mays Anklage, dass „der russische Staat einen ungesetzlichen Gewaltakt gegen das Vereinigte Königreich ausübte“, steht nur eine Stufe unter einer Kriegserklärung. Dabei waren die russisch-britischen Beziehungen einst nicht so schlecht.

 Die britische Premierministerin ist unter Zugzwang. Für die angekündigten Sanktionen jedoch ist sie auf eine internationale Allianz angewiesen. US-Präsident Donald Trump hat aber ein ambivalentes Verhältnis zu Putin, den er als „Smart guy“ bewundert, und hält sich daher zurück. Die EU ist zwar zur Solidarität mit ihrem abtrünnigen Mitglied aufgefordert. Doch zugleich wollen Brüssel, Paris und Berlin den Minsker Friedensprozess mit Moskau wieder in Gang bringen. Putin, der Wahlkämpfer, kann Mays „Zirkusspiel“, wie er es nennt, daher voll genießen.

Schon wird in London die Möglichkeit eines Cyberkriegs gegen Russland diskutiert. Hoffentlich müssen nur ein paar britische und russische Diplomaten ihre Koffer packen.

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