Kommentar Hajo Zenker zur Organspende Widerspruchslösung bei Organspende: Eine gute Idee

Hajo Zenker Märkische Oderzeitung
Hajo Zenker Märkische Oderzeitung © Foto: MOZ Gerd Markert
Berlin / Hajo Zenker 25.08.2018

Selbstbestimmt über den eigenen Körper entscheiden – auch für den Fall des Todes. Das ist ein hohes Gut und hat dazu geführt, dass hierzulande nur derjenige Organspender ist, der sich bewusst mit dem Thema befasst, die Spende bejaht, den Ausweis ausfüllt und bei sich trägt. Das heißt Entscheidungslösung.

Allerdings hat sich gezeigt: Die Entscheidung findet oft gar nicht statt. Es gibt angenehmere Dinge, als über den eigenen Tod nachzudenken. Das schiebt man gerne beiseite. Der Druck, sich mit dem Thema zu beschäftigen, ist nicht groß genug.

Deshalb sinkt seit Jahren die Zahl der Spender. Weil das so ist, hatte zunächst der Ärztetag die eigene Haltung überdacht und im Mai eine Gesetzesänderung gefordert: Jeder solle automatisch als Organspender gelten. Solange er nicht ausdrücklich widerspricht. Weshalb das Widerspruchslösung heißt. Damit könnte man weiterhin eine Organentnahme verweigern. Nur wird man gezwungen, die Entscheidung darüber rasch zu treffen. Warum auch sollte bei uns nicht möglich sein, was in Nachbarländern wie Frankreich, Polen oder Österreich normal ist?

Nun folgt ein ähnlicher Vorstoß aus der Unionsfraktion. Fraktionsvize Georg Nüßlein von der CSU wünscht sich eine Gewissensentscheidung im Parlament – und will so fraktionsübergreifend die Widerspruchslösung durchsetzen. Das ist eine gute Idee. Selbst CDU-Gesundheitsminister Jens Spahn zeigt sich nun offen für eine Debatte. Es ist also etwas in Bewegung geraten. Das führt hoffentlich dazu, dass 10 000 Patienten, die auf der Warteliste stehen, eine realistische Chance auf ein längeres Leben erhalten.

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