Nur gut, dass sich der Altkanzler vor einiger Zeit einen Vorrat angelegt hatte, als die Drohung schon einmal im Raum stand. Jetzt macht Christian Schmidt Tempo. Für alle, denen der Name nichts sagt: Das ist der Bundeslandwirtschaftsminister. Er ist dafür zuständig, eine EU-Richtlinie zum blauen Dunst zügig umzusetzen. Samt hässlicher Warnbilder und -hinweise, die künftig zwei Drittel der Packungen bedecken müssen.

Mit seinem Gesetzentwurf, der zurzeit unter den Ministerien abgestimmt wird, gibt sich Schmidt ungewohnt kämpferisch. Bisher war der CSU-Politiker wenig aufgefallen, dass ein Kandidat bei Günther Jauchs "Wer wird Millionär" über die Frage stolperte, wie der Agrarminister heißt: Müller oder Schmidt? Zumindest für den Verkauf von Mentholzigaretten könnte der Franke eine Übergangsfrist bis 2020 gewähren. Doch das nutzt er nicht aus.

Er ist sogar noch mutiger: Im gleichen Gesetz will er die Tabakwerbung an Plakatsäulen und im Kino verbieten. In Zeitungen, Zeitschriften und im Fernsehen ist sie schon lange untersagt. Dieses Verbot kommt gar nicht aus Brüssel. Die Weltgesundheitsorganisation hat es angeregt. Doch noch müssen es die Mitgliedsländer nicht umsetzen. Aber Schmidt verweist darauf, außer Deutschland erlaube in der EU nur noch Bulgarien Reklame an Litfaßsäulen. Wer will sich schon daran messen lassen.

Erlaubt bleibt Sponsoring, und das betreibt gerade die Tabakbranche exzessiv. Viele Sommerfeste im politischen Berlin in den letzten Wochen unterstützte sie finanziell - und machte damit eine erstaunliche Doppelmoral offensichtlich. Beim Parlamentskreis Mittelstand der Union beispielsweise stand der Bundesverband der Zigarrenindustrie selbstverständlich auf der Sponsorenliste, und er bot Gratis-Zigaretten an. Ein Schelm, wer Einflussnahme auf die anwesenden Abgeordneten vermutet, die in einigen Monaten über das Gesetz abstimmen müssen. Sogar beim Hessen-Fest präsentierte ein Zigarrenproduzent seine Produkte. Die Baden-Württemberger können wir allerdings beruhigen: Unter den Sponsoren der traditionellen Stallwächterparty fand sich zwar Google, nicht aber die Zigarettenindustrie.

Ein Schelm, wer Einflussnahme vermutet.