Ulm Wenn die Smarties rollen

Prototyp des "Self-driving vehicle" von Google.
Prototyp des "Self-driving vehicle" von Google. © Foto: Google/dpa 
Ulm / CHRISTIAN NICK 08.02.2016
Mal wieder gilt: Gib Acht auf der A 8! Im Stop-and-Go mäandert die Blechwalze über den Asphalt. Bremse, Kupplung, Gas - wieder Bremspedal. Hundertmal.

Man möchte den Kopf mit ähnlicher Verve gegen das Lenkrad donnern wie weiland Kopfballungeheuer Horst Hrubesch die Rübe gegen den Ball, oder reinbeißen - oder es gleich aufessen.

Gut, dass man heuer im Auto noch derartig gepflegte Strategien des Frustabbaus praktizieren kann, anstatt den in den Faradaykäfigen ringsum Gefangenen nurmehr aufblitzende Mittelfinger und donnernde Verwünschungen zu widmen!

Aber die Karossen der Zukunft sind dreist und wollen selbst fahren. Demnächst. Also so 2035. Der Verkehrsminister hat gerade die erste Teststrecke angekündigt. Auf der A 9. Zum Glück! Und nicht nur Google forscht schon fleißig. Denn die Autos der Zukunft sind vernetzt und intelligent. Mindestens so wie Alexander Dobrindt. Man munkelt gar, sie werden smarter sein! Die Digitalisierung macht's möglich, Bits und Bytes und so.

Dann gibt es Staus nicht mehr, Unfälle nur noch im Funkloch, immer freie Parkplätze und auch keine Sonntagsfahrer.

Kommunizieren werden die fahrbaren Untersätze auch können, ach: einfach alles. Vollautomatisch. Sie erklären eloquent die Relativitätstheorie und kochen Spaghetti während sie den Passagier kutschieren. Vielleicht stellen sie sich sogar automatisch in den Stau - ach nee, den soll es ja nicht mehr geben. Das ist doch echter Fahrspaß! Was will man tun, wenn selbst Brezeln heute 4.0 gebacken werden. Die Zukunft überfährt jeden Selbstfahrfetischisten gnadenlos auf der Datenautobahn! Audis gibt's dann nicht mehr, nur noch Smarties. Süß, oder? Und wer legt nicht bedenkenlos sein Leben in die Hände von Google, wenn man dort über dieses ohnehin schon alles weiß?