Kommentar Elisabeth Zoll zum Ranking der Ministerpräsidenten Warum Markus Söders Beliebtheit abgestürzt ist

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München / Elisabeth Zoll 07.08.2018

Zwischen Bayern und Baden-­Württemberg können Welten liegen. Das erfahren gerade die Ministerpräsidenten beider Bundesländer. Während Winfried Kretschmann ungebrochen von einer Sympathiewelle getragen wird, rangiert sein Amtskollege aus dem Freistaat, Markus Söder, abgeschlagen an letzter Stelle der Beliebtheitsliste unter den 13 gewerteten Ministerpräsidenten der Flächenländer.

Was hat Kretschmann, was Söder fehlt? Glaubwürdigkeit!

Der bayerische Ministerpräsident hat in seiner kurzen Amtszeit schon so viel Vertrauen zerstört, dass es für ihn und die bayerische Allzeit-Regierungspartei CSU am 14. Oktober gefährlich werden könnte. Die im Freistaat gleichsam als politischer Fetisch gepflegte absolute Mehrheit ist ernsthaft in Gefahr.

Nicht Fach- und Methodenwissen zeichnen in den Augen der Wähler einen guten Politiker in erster Linie aus. Es sind persönliche Charaktereigenschaften und menschliche Werte, mit denen er überzeugen muss. Markus Söder hat aus Sicht der Befragten genau dort ein Defizit. Der auf die Spitze getriebene Konflikt mit der Unions-Schwester CDU, die unbotmäßigen Angriffe auf die Kanzlerin und verbale Ausfälle gegenüber Flüchtlingen lassen in Bayern viele an der menschlichen Reife ihres jungen Regierungschefs zweifeln.

Der gibt sich geläutert und übt sich neuerdings in sanften Tönen. Ob neue Masche oder ernst gemeint, werden die Wähler im Oktober entscheiden können. Vermutlich wird bei nicht wenigen der Eindruck bleiben, dass es Markus Söder vor allem um eines geht: um Markus Söder und seinen alles dominierenden Willen zur Macht.

Glaubwürdigkeit ist ein sensibles Gut. Sie wieder herzustellen, wird schwierig.

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