Leitartikel Warum Iran nur ein Deal mit Donald Trump bleibt

Martin Gehlen
Martin Gehlen © Foto: Eglau Katharina
Teheran / Martin Gehlen 08.08.2018

Auch am Vorabend der US-Sanktionen gab sich Hassan Ruhani wie gewohnt gelassen. Alles nicht so dramatisch, und den Rest werden wir zusammen meistern, lautete die Fernsehbotschaft an seine bangen Landsleute. Bekanntlich hat Irans Präsident eiserne Nerven, auch wenn es überall im Land gärt wie schon lange nicht mehr. Denn die Islamische Republik wirkt bis ins Mark erschöpft, marode und ausgezehrt. Der Regierungschef und sein Außenminister stehen von den Trümmern ihrer fünfjährigen Entspannungsdiplomatie. Und die eigene Bevölkerung macht nicht mehr, wie lange Zeit üblich, Amerika für die Misere verantwortlich, sondern die eigene Führung.

Entsprechend könnte es – anders als die jüngsten Wortgefechte nahelegen – schon bald zu einem neuen Anlauf kommen zwischen der Islamischen Republik und den USA. Denn ungeachtet aller schönen Worte, auf den Durchhaltewillen der verbliebenen fünf Atomvertragsstaaten kann Teheran nicht automatisch setzen. Europa vermag seine Firmen nicht zu Iran-Geschäften zu zwingen. Den strategischen Zielen Russlands für ein Nachkriegssyrien kämen gestutzte iranische Flügel durchaus gelegen. China könnte seine Solidarität unversehens über Bord werfen, wenn sich dadurch der Handelsstreit mit den USA aus der Welt schaffen ließe.

Verhandlungskatalog könnte Trump gefallen

Und so hat Teherans Führung offenbar über den Außenminister des Oman bereits Fühler nach Washington ausgestreckt und einen umfassenden Verhandlungskatalog übermittelt, der Donald Trump gefallen dürfte: Rückkehr der USA zum Atomvertrag plus Ende von Wirtschaftsboykott gegen hegemoniale Zurückhaltung des Iran und konstruktive Kooperation bei den regionalen Konflikten in Syrien, Jemen, Libanon und Irak, so lauten anscheinend die groben Linien.

Denn in Syrien ist aus der Sicht von Irans Strategen das Maximale erreicht, will man Israel nicht weiter reizen und sich Russland am Ende zum kalten Gegner machen. Im Jemen ist der Schaden für Saudi-Arabien so gewaltig, dass Riad den Konflikt lieber heute als morgen beenden würde. Im Irak und im Libanon hat Teheran sowieso nichts zu befürchten, so groß ist sein politischer Einfluss dort.

Und so könnte sich die iranische Führung möglicherweise durchringen, aus dem sprichwörtlichen Giftbecher zu trinken. Wirtschaftliche Dauermisere und Reformstillstand zehren nicht nur an den Nerven der Bürger, sie zehren auch am ideologischen Fundament der Islamischen Republik. Immer mehr Menschen zweifeln am System, das sich als himmlische Herrschaft Gottgeleiteter ausgibt, während es der Bevölkerung am Nötigsten fehlt. Hassan Ruhani gehört gewiss nicht zu den Politikern, die von einer staatspolitischen Wende zurück zum Wohle des eigenen Volkes überzeugt werden müssen. Die eigentlichen Blockierer sind die Hardliner um den Obersten Revolutionsführer Ali Chamenei und dessen Revolutionäre Garden. Sie müssen sich nun entscheiden – spätestens nach der zweiten Phase der US-Sanktionen im November.

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