Es ist sicherlich kein Zufall, dass Horst Seehofer die erste Analyse der Bayern-Wahl in Berlin größtenteils mit verschränkten Armen vorträgt. Wahrscheinlich hilft nur diese Abwehrhaltung, wenn man als Parteichef so unter Druck steht wie der CSU-Vorsitzende. Mehr als zehn Prozent  Stimmenverlust sind für eine Partei, die absolute Mehrheiten zum Standard erhoben hat, ein Debakel. Und nun muss er das hier, in der deutschen Hauptstadt, erklären.

Umso wichtiger scheint es ihm zu sein, zwei Tage nach der Wahl in Bayern klarzustellen, dass er das Heft in der Hand hält. Fragen nach personellen Konsequenzen bügelt er einfach ab. Er sei zwar bereit dazu. Im Übrigen habe er im zurückliegenden Jahr bereits dreimal seinen Rückzug angeboten – nach der Bundestagswahl, vor dem CSU-Parteitag im vergangenen Jahr und diesen Sommer. Eine Entscheidung wolle er diesmal aber erst nach der Koalitionsbildung in Bayern, also Anfang Dezember, kündigt er an. „Wir treten ein für Stabilität in Bayern“, sagt er. Und dafür sei eine Regierung nun mal wichtig.

Kein Streit vor der Hessen-Wahl

In seiner Partei halten sie bislang noch fast alle still, und auch vom Berliner Koalitionspartner CDU hört man nur angedeutete Rufe nach Konsequenzen, etwa von Schleswig-Holsteins Ministerpräsidenten Daniel Günther und dem Bundestagsabgeordneten Norbert Röttgen. Vor der Hessen-Wahl in zwei Wochen will keiner in der Union sich nachsagen lassen, er sei daran schuld, wenn der dortige Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) wegen eines Koalitionsstreits die Wahl verliert.

Explizite Rücktrittsforderungen kommen bisher nur aus der bayerischen Provinz. Als erstes forderte der CSU-Kreisverband Kronach Seehofers Abgang. Dieser sollte nach Abschluss der Koalitionsverhandlungen über die neue bayerische Regierung erfolgen. Der Kreisverband Bayreuth schloss sich an. Und der Hofer OB und CSU-Politiker Harald Fichtner sagt, er könne sich nicht vorstellen, „dass Horst Seehofer weiter Parteivorsitzender sein kann“. Der mächtige Bezirksverband Oberbayern verlangt noch dieses Jahr einen Sonderparteitag, um das Debakel aufzuarbeiten.

Indes schreitet in München die Regierungsbildung voran. Die neue CSU-Fraktion wählte mit großer Mehrheit den Allgäuer Amtsinhaber Thomas Kreuzer zum Vorsitzenden. Ministerpräsident Markus Söder wurde erneut nominiert und Ilse Aigner als neue Landtagspräsidentin aus dem Seehofer-Nachfolgerennen genommen. Auch die Sondierungen mit den Freien Wählern sowie mit den Grünen starteten.

Ob er trotz allem am Ende des Jahres noch Innenminister sein wird, darüber will Seehofer nicht spekulieren. Er grinst. „Ich habe nicht den Eindruck, dass ich eingeschränkt arbeitsfähig wäre. Es macht Spaß. Wirklich Spaß.“