Parteien Wähler verlieren die Geduld mit Merkel und der SPD

Berlin / Von Mathias Puddig 28.12.2017
Jeder Zweite spricht sich in einer Umfrage für ein Ende von Merkels Kanzlerschaft vor 2021 aus. Die SPD rutscht wieder unter 20 Prozent.

Die schleppende Regierungsbildung schlägt sich in Umfragen nieder. Inzwischen wünscht sich fast jeder Zweite, dass Angela Merkel das Kanzleramt vor dem Ende der Legislaturperiode aufgibt. Gleichzeitig fällt die SPD unter 20 Prozent. Dass es mehr als ein Vierteljahr nach der Bundestagswahl noch keine neue Regierung gibt, macht viele Wähler ungeduldig. Nach einer Umfrage des Instituts Yougov wünschen sich 47 Prozent der Befragten, dass Angela Merkel ihren Posten vor Ende der Wahlperiode aufgibt. Nur 36 Prozent wollen, dass sie bis 2021 im Amt bleibt. Vor der Bundestagswahl wünschte das mehr als die Hälfte.

Die SPD, deren Wähler zu zwei Dritteln ein Ende von Merkels Kanzlerschaft befürworten, verliert in einer Forsa-Umfrage im Vergleich zur Vorwoche einen Prozentpunkt und rutscht auf 19 Prozent. Die Union kommt auf 34 Prozent (+1). Die kleineren Parteien bleiben stabil: Grüne und AfD erreichen jeweils zwölf, die Linkspartei zehn und die FDP acht Prozent.

FDP-Vize Wolfgang Kubicki machte Angela Merkel für das Scheitern der Jamaika-Sondierungen verantwortlich. Die CDU-Chefin habe „daran gebastelt, die Fortsetzung der großen Koalition zu erreichen“, sagte er der Funke-Mediengruppe. „Das ist ihr gelungen.“ Kubicki rief die Union zur personellen Erneuerung auf.

Aus der Union selbst waren leisere Töne zu hören. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) warnte vor gegenseitigen Angriffen während der Sondierungen mit der SPD. Laschet hatte bereits zuvor einen Kompromiss zum Familiennachzug von Flüchtlingen vorgeschlagen, was SPD-Vize Ralf Stegner als „PR-Geklingel“ zurückgewiesen hat. Der frühere SPD-Chef Sigmar Gabriel verlangte von der Union, sich inhaltlich festzulegen. „Die müssen mal aus ihrer Deckung kommen“, sagte er der „Bild“. „Die SPD ist da sehr klar.“ Als Bedingungen für eine große Koalition nannte er EU-Reformen und eine Reform der Krankenversicherungen.

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