Kommentar Günther Marx zum Mazedonien-Streit Wackliger Kompromiss im Mazedonien-Streit

MOZ-Frankfurt, Günther Marx Redakteur
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MOZ-Frankfurt, Günther Marx Redakteur Autorenfoto 2017 © Foto: Gerd Markert Gerd Markert
Berlin / Günther Marx 18.06.2018

Aus FYROM wird NMK. So bizarr die Namenskürzel, so bizarr war auch der Streit zwischen Athen und Skopje um den Staatsnamen der früheren jugoslawischen Republik Mazedonien – englisch: Former Yugoslav Republic of Macedonia. Griechenland sperrte sich über Jahrzehnte vehement dagegen, dass der nördlich angrenzende Kleinstaat nach der Erklärung der Unabhängigkeit den Namen Mazedonien annahm. Athen befürchtete Territorialansprüche auf die griechische Provinz gleichen Namens. Historische Reminiszensen auf den berühmtesten aller Mazedonier, Alexander den Großen, taten ein übriges. International firmierte Mazedonien deshalb offiziell unter FYROM.

Nun haben sich die beiden Regierungschefs geeinigt. Und wenn dies Bestand hat, könnte der Namenskompromiss Nord-Mazedonien oder – in anderer Schreibweise – Nord-Makedonien (mit der Auto-Länderkennung NMK statt MK) eine Blockade lösen, die Skopje bislang den Weg in EU und Nato  versperrt hat. Von hier kam auch beträchtlicher Druck, den Streit endlich beizulegen.

Der Widerstand allerdings bleibt in beiden Ländern groß. Die vereinten Nationalisten machen mobil. Und wenn auch der griechische Regierungschef Tsipras ein Misstrauensvotum in dieser Sache überstanden hat, bleibt er innenpolitisch ebenso unter Druck wie sein mazedonischer Kollege Zaev. Der bekommt sogar Feuer vom eigenen Staatschef. Der Ausgang des Konflikts ist angesichts der nationalistischen Leidenschaften noch lange nicht entschieden. Tatsächlich ist der in Europa mächtig aufkeimende Nationalismus das Problem, dem mit kreativen Namensgebungen kaum beizukommen ist. 

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