Cambridge Vorteil für Herrn Kaiser

Cambridge / STEFAN BENTELE 02.11.2013
Wer einen adeligen Nachnamen trägt, arbeitet häufiger als Führungskraft. Das haben Forscher in einer Studie herausgefunden.

In der Führungsriege deutscher Unternehmen geht es nobel zu. Wer Kaiser, König oder Fürst heißt, arbeitet häufiger in Spitzenpositionen als Kollegen mit Namen Bauer, Schäfer oder Maier. Das haben Forscher der Universität Cambridge und der HEC Paris herausgefunden.

Weil deutsche Namen meist auf die Tätigkeit der Vorfahren schließen lassen, sammelten Raphael Silberzahn und Eric Luis Uhlmann für die Studie deutsche adelige Nachnamen. Anschließend stellten sie dieser Sammlung gewöhnliche Namen gegenüber und untersuchten so die Namen und Tätigkeiten von 230 000 Mitgliedern des Karriere-Netzwerks Xing. "Es ging uns in dieser Studie darum, zu schauen, inwieweit der Status, der mit einem Namen verbunden wird, einen Einfluss hat", sagt Silberzahn.

Als Ursache für das Ungleichgewicht nennt der Forscher drei psychologische Mechanismen, aus denen für Menschen mit prestigeträchtigen Namen Vorteile entstehen können: Das Umfeld verknüpft das Prestige mit der Person; das Arbeitsergebnis mag besser beurteilt werden; und das eigene Verhalten gleicht sich dem Wunsch an, dem Prestige entsprechen zu wollen.

Silberzahn möchte angesichts der Tatsache, dass Führungskräfte mit adligem Namen 2,7 Prozent häufiger als erwartet Führungspositionen bekleiden, nicht von Diskriminierung sprechen. "Gott sei Dank ist es nicht so." Es zähle zum Glück mehr als nur der Name. Leistung, Intelligenz und gewissenhaftes Arbeiten seien weitaus einflussreichere Faktoren. Allerdings gibt es durchaus Bereiche, in denen Namen eine besondere Rolle einnehmen.

Ein Pseudonym etwa erlaubt Künstlern, die eigene Aura zu beeinflussen. Aus einem Thomas Mapother wird dann Tom Cruise, aus einem Farrokh Bulsara ein Freddie Mercury, und "damit ändern sich dann auch die Assoziationen, die man mit einem Namen verbindet."

Ähnliches gilt für alle Kaiser, Könige und Fürsten. Solche Nachnamen bedeuten keineswegs, adelige Vorfahren zu haben. Mit denselben Titeln wurden schließlich früher all jene verspottet, die großspurig und überheblich auftraten. Eigenschaften, die vielleicht irgendwie auf manchen Nachfahren übergingen.

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