Energiewende Vier Netzbetreiber teilen sich den Strom-Markt

Niedersachsen, Göttingen: Zwei Prototypen für Erdkabel mit drei Adern liegen unter einer Hochspannungsleitung.
Niedersachsen, Göttingen: Zwei Prototypen für Erdkabel mit drei Adern liegen unter einer Hochspannungsleitung. © Foto: Julian Stratenschulte (dpa)
Berlin / Dieter Keller 14.08.2018
In Deutschland gibt es 1,8 Millionen Kilometer Stromnetz. Für den Ausbau müssen sich Betreiber zusammenschließen.

Um ganz Deutschland jederzeit zuverlässig mit Strom zu versorgen, gibt es ein 1,8 Millionen Kilometer langes Stromnetz. Die Übertragungsnetze, also die Hauptschlagadern mit Höchstspannung, betreiben vier Unternehmen, die Verteilnetze mit Mittel- und Niederspannung 878 Firmen, etwa die örtlichen Stadtwerke. Da sie in ihrem Gebiet ein Monopol haben, werden sie von der Bundesnetzagentur kontrolliert. Diese Behörde mit Sitz in Bonn untersteht dem Bundeswirtschaftsministerium. Sie muss nicht nur die Entgelte für die Netznutzung genehmigen und für freien Zugang aller Stromanbieter zu den Netzen sorgen, sondern auch den Ausbau der Übertragungsnetze überwachen: Jeder der komplizierten Planungsschritte wird überprüft.

Ausbau wird erst 2025 in Betrieb gehen

Das rund 35 000 Kilometer lange Übertragungsnetz teilen sich vier Gesellschaften: Tennet ist für einen großen Streifen von Schleswig-Holstein bis Bayern zuständig, Amprion für weite Teile von Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz sowie für das Allgäu. 50Hertz versorgt Ostdeutschland einschließlich Berlin sowie Hamburg, für Baden-Württemberg ist TransnetBW zuständig – eine Tochter der Energie Baden-Württemberg.

Derzeit werden vier große zusätzliche Übertragungsleitungen vom Norden in den Süden geplant, wobei heute schon klar ist, dass sie frühestens 2025 in Betrieb gehen können. Die erste führt von Emden bis in den Rhein-Neckar-Raum. Der 700 Kilometer lange Suedlink verbindet Brunsbüttel bei Hamburg mit Großgartach bei Heilbronn. Die dritte Leitung geht großenteils parallel zum Suedlink und endet in Grafen­rheinfeld bei Schweinfurt. Schließlich verbindet der Sued­ostlink Wolmirstedt in Sachsen-Anhalt mit Isar bei Landshut. Die Endpunkte sind immer in der Nähe bisheriger Kernkraftwerke, weil dort die nötige Infrastruktur für die Verteilung des Stroms vorhanden ist.

Erdkabel statt Freileitungen

Für Planung und Bau müssen sich mehrere Netzbetreiber zusammenschließen, für den Suedlink beispielsweise Tennet und TransnetBW. In diesem Fall sind gleich sechs Bundesländer beteiligt – von Schleswig-Holstein über Niedersachsen, Hessen und Thüringen bis Bayern und Baden-Württemberg.

Vorgesehen für die Verbindungen sind weitgehend Erdkabel und keine Freileitungen, auch wenn dies ein Mehrfaches an Kosten verursacht. Die Politik hofft aber, dass es dadurch weniger Einsprüche vor Gericht gibt. Manche Regionen hätten allerdings doch lieber oberirdisch hängende Kabel.

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