Glosse Versprochen ist versprochen

Der damalige Staatsratsvorsitzende der DDR, Walter Ulbricht, hatte sich nicht versprochen, als er 1961 versicherte, niemand habe die Absicht, eine Mauer zu errichten.
Der damalige Staatsratsvorsitzende der DDR, Walter Ulbricht, hatte sich nicht versprochen, als er 1961 versicherte, niemand habe die Absicht, eine Mauer zu errichten. © Foto: dpa
Berlin / Guido Bohsem 19.07.2018

Donald Trump hat sich versprochen. Kann ja mal passieren. Er wollte sagen, dass er glaubt, dass die Russen die amerikanischen Wahlen manipuliert haben. Raus kam das glatte Gegenteil. Tja. Dumm gelaufen, Mr. President.

Gab’s das vielleicht schon öfter, und keiner hat’s gemerkt? Die verwirrende doppelte Verneinung könnte auch schon Walter Ulbricht Probleme bereitet haben, der korrekt sagen wollte: „Niemand hat die Absicht, keine Mauer zu errichten.“ John F. Kennedy wollte eigentlich sagen: „Ich bin doch kein Berliner“. Was wie bei Ulbricht (und anders als bei Trump) eher der Wahrheit entsprochen hätte. Hatte Ronald Reagan vielleicht rufen wollen: „Lassen Sie die Mauer stehen, Herr Gorbatschow“? Die ganze Geschichte wäre anders verlaufen.

Bekanntlich werden Aussagen manchmal auch böswillig manipuliert. Angela Merkel etwa wäre eigentlich berühmt für den Satz:  „Wir schaffen das, wenn wir uns alle sehr viel Mühe geben, die Sache mit dem Bamf läuft und der Horst mich in Ruhe machen lässt.“ Doch wurde nur der erste Teil von den Medien aufgegriffen. „Fake news!“, würde es da aus dem Weißen Haus tönen.

Gänzlich unverfälscht ging nur Konrad Adenauer mit seinen Worten um: „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern, nichts hindert mich, weiser zu werden.“ Was sogar Trump ja auch geworden ist. Irgendwie.

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