Kommentar Dorothee Torebko zur Mobilität Vergeudete Zeit

Dorothee Torebko.
Dorothee Torebko. © Foto: Privat
Berlin / Dorothee Torebko 13.02.2019

In 108 Stunden kann man 72 Fußballspiele gucken, mehr als 100 Apfelkuchen backen oder sich 81 extrem lange Folgen der Serie Game of Thrones anschauen. Oder man kann im Stau stehen. 108 Stunden lang harrten die Stuttgarter 2018 wartend in ihrem Pkw aus. Kein anderer Verkehrsträger sorgt für so viel Zeitverlust wie das Auto. Dennoch klammern sich viele Pendler an das Gefährt und vergeuden Zeit. Das muss nicht so sein.

Sicherlich wird in diesen Tagen viel über die Deutsche Bahn geschimpft, dennoch bietet sie eine ordentliche Pünktlichkeitsquote. 80,1 Prozent der Fernzüge kamen mit nicht mehr als
15 Minuten Verspätung an. In dieser Statistik sind Zugausfälle und Ersatzzüge enthalten. Das bedeutet, theoretisch müssten die meisten Pendler nur 15 Minuten früher aufstehen, um pünktlich zur Arbeit zu kommen.

Und: Im Gegensatz zum Auto können Fahrer in der Bahn lesen, arbeiten, essen. Auch der Flugverkehr ist kein so großer Zeitfresser: Flugreisende verlieren im Schnitt acht Stunden mit Warterei. Warum also am Auto festhalten?

Ganz einfach: Alle anderen Verkehrsträger sind trotz der Zeitersparnis nicht attraktiv genug. Wer sich morgens und abends in die überfüllte U-Bahn quetschen muss, anstatt allein im Auto zu sitzen, dem vergeht bald die Lust auf den ÖPNV. Wer von seinem Haus nicht einmal zum Bahnhof kommt, weil es keine Busverbindung gibt, steigt ins Auto. Es gilt also, attraktive Wege zu schaffen. Bahnhöfe müssen gut angeschlossen und sauber sein, U- und S-Bahnen mindestens im Fünfminutentakt fahren und Radschnellwege ausgebaut werden. Erst dann werden die Straßen freier und der Pendler entlastet.

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