Washington / PETER DE THIER  Uhr
Die ukrainischen Streitkräfte erhalten Hilfe von Söldnern aus den USA im Kampf gegen die Separatisten. Private US-Sicherheitsfirmen bestreiten das zwar, aber immer mehr Seiten bestätigen die Unterstützung.

Der US-Rückzug aus dem Irak ist längst vollzogen, und bis Ende des Jahres sollen bis auf ein kleines Restkontingent die letzten US-Truppen in Afghanistan die Heimreise antreten. Leidtragende des reduzierten Militär-Engagements eines kriegsmüden Amerika sind private Sicherheitsfirmen, die während der vergangenen zehn Jahre ein Milliardengeschäft machten. Auf der Suche nach neuen Aufträgen sind sie nun fündig geworden, nämlich in der Ostukraine. Wie verlässliche Quellen bestätigen, unterstützen seit Anfang März mehrere hundert der Soldaten ukrainische Regierungstruppen im Kampf gegen Separatisten.

Eine wichtige Rolle dabei scheinen Nachfolgeorganisationen der US-Sicherheitsfirma Blackwater zu spielen, die im Irak-Krieg viele Söldner gestellt und für Skandale gesorgt hatte. Firmengründer Erik Prince taufte das Unternehmen deshalb später in XE Services um, dessen Mitarbeiter wiederum die Tochtergesellschaften Greystone und Academi gründeten. Diese bestreiten zwar, dass ihre Söldner heute in der Ukraine mitmischen. Zwischenzeitlich liegen aber verlässliche Informationen darüber vor, dass die Nachfolgeorganisationen von Blackwater in der ostukrainischen Stadt Slawjansk an Einsätzen gegen prorussische Rebellen beteiligt war beziehungsweise diese sogar anführte. "Seit dem Ende der Kriege in Irak und Afghanistan suchen diese früher hoch profitablen Firmen nach neuen Umsatzquellen", sagt ein früherer Zulieferer und guter Bekannter von Blackwater-Gründer Prince, der aber nicht namentlich zitiert werden will. "Die Söldner waren bereits an zahlreichen Feuergefechten mit Separatisten beteiligt."

Die Aussage bestätigt die bisherigen Informationen über das Engagement von bezahlten Sicherheitskräften aus den USA. So tauchten im März im Internet Videos von schwer bewaffneten Soldaten in Tarnanzügen der US-Armee auf, die sich im Gebiet um Slawjansk aufhielten. Einen Monat später wurde auf Youtube die Festnahme und das brutale Verhör eines angeblichen Söldners ausgestrahlt, der behauptete, ein Amerikaner zu sein. Ende April bestätigte schließlich der Bundesnachrichtendienst (BND), dass private Elitesoldaten aus den USA in die Ukraine entsandt wurden, um bewaffnete Gegner der Regierung in Kiew zu neutralisieren.

Das Weiße Haus und das Pentagon, denen das Imagedebakel um die Firma Blackwater schon immer ein Dorn im Auge war, hüllen sich hartnäckig in Schweigen. Washington will aber auch nicht dementieren, dass die Regierung den erneuten Einsatz privater Sicherheitsfirmen stillschweigend duldet.

Skandale um angeheuerte Soldaten im Irak

Blackwater Während des Irak-Kriegs schickte die US-Firma Blackwater im Auftrag der US-Regierung und des US-Militärs Söldner in den Irak, um nach dem Sturz des Despoten Saddam Hussein Extremisten zu bekämpfen. Die Sicherheitskräfte wähnten sich über dem Gesetz und machten, was sie wollten.

Schießerei 2007 töteten Blackwater-Angestellte in Bagdad bei einer Schießerei 17 Zivilisten. Danach wurden die Söldner aus dem Kampfgebiet zurückgepfiffen, und bald danach musste Blackwater den Betrieb einstellen - so hieß es. Tatsächlich aber gab zwei Jahre nach dem Debakel in Bagdad Firmengründer Erik Prince, ein früheres Mitglied der Elitetruppe US Navy Seals, dem Unternehmen nur einen neuen Namen: XE Services.