Kommentar Elisabeth Zoll zur US-Missbrauchsstudie US-Kirche steht bei Missbrauch vor Abgründen

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Autorenfoto © Foto: Könneke Volkmar
Elisabeth Zoll 16.08.2018

Die katholische Kirche wird das Thema Missbrauch nicht los. Wieder brachte eine neutrale Erhebung Ungeheuerlichkeiten ans Licht. Dieses Mal im US-Staat Pennsylvania. 300 Priester sollen sich in den vergangenen 70 Jahren an mindestens 1000 Kindern vergangen haben. Fast überall, wo unabhängige Ermittler vertrauliche Kirchenakten unter die Lupe nehmen, stoßen sie auf Abgründe: ob in den USA, in Irland, Australien, Chile oder demnächst vermutlich auch in Deutschland, wo die Bischofskonferenz im September ebenfalls Untersuchungsergebnisse vorlegen wird.

Die Muster gleichen sich: Kleriker missbrauchen ihre Macht, um sich an Kindern, Seminaristen oder Ordensfrauen zu vergehen. Die Täter wissen sich von der Scham ihrer Opfer, der Autorität ihres Amtes und dem fehlgeleiteten Kirchenverständnis ihrer Vorgesetzten geschützt. Nicht die Opfer traf in den vergangenen Jahrzehnten das Mitgefühl, sondern die Institution Kirche, die keinen Schaden nehmen sollte.

Unzweifelhaft ist dieses Denken in den vergangenen Jahren aufgebrochen, zumindest dort, wo sich die Kirchenleitung um einen ehrlichen Blick in ihre dunkle Vergangenheit bemüht. Doch das ist nicht überall der Fall und wird auch nicht an jedem Ort mit gleicher Tiefe und Ausdauer betrieben. Denn die Verbrechen werfen unbequeme Fragen auf: nach dem Selbstbild der Institution Kirche und den Klerikern, den Folgen einer unreifen Sexualität Einzelner und dem oftmals überfordernden System eines erzwungenen Zölibats. Auch wenn manche Kirchenverantwortliche es nicht hören wollen: Für Vertuschung darf es keine Toleranz  geben. Das ist die Kirche den Opfern schuldig.

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