Diplomatie US-Botschafter Grenell sorgt für Verwunderung

Ungewöhnlicher Diplomat: US-Botschafter Richard Grenell.
Ungewöhnlicher Diplomat: US-Botschafter Richard Grenell. © Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
Berlin / Stefan Kegel und Ellen Hasenkamp 06.06.2018

Seine unverblümten Äußerungen haben dem neuen US-Botschafter in Deutschland viel Ärger eingebracht. Und trotzdem sind viele begierig, Richard Grenell kennenzulernen. Von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU)  hat er sich den Bundestag zeigen lassen. Und auch CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt hat mit Grenell schon einen Termin vereinbart: „Es ist wichtig, in Kontakt zu bleiben. Wenn man manches befremdlich findet, ist es noch mehr Grund für einen Austausch.“

Der wichtigste Termin steht allerdings heute an: Dann stellt sich der US-Diplomat im Auswärtigen Amt vor und wird mit Staatssekretär Andreas Michaelis sprechen. Hier werden die Weichen gestellt, wie es in den diplomatischen Gepflogenheiten zwischen den USA und Deutschland weitergeht. In seinen ersten Wochen hatte Grenell mehrfach ungebetene Ratschläge erteilt.

Tweet zur Amtseinführung

Der Tweet kurz nach seinem Amtsantritt, deutsche Unternehmen sollten ihren Handel mit dem Iran einstellen, kam nicht gut an. Für Verwunderung sorgte seine Ankündigung, Konservative überall in Europa stärken zu wollen. Oder seine Verachtung für das Denken einer „sehr kleinen elitären Gruppe“, welche die Geschicke von Ländern lenke. Heftige Kritik übte er an den geringen Militärausgaben Deutschlands, das demnächst nichtständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrates werde: „Wenn man ein Führer im Sicherheitsrat sein will, muss man einen grundlegenden Grad an militärischer Bereitschaft haben.“ Deutschland habe nicht einmal ein funktionierendes U-Boot.

Das kommt im diplomatischen Dienst schlecht an. Der ehemalige Top-Diplomat Klaus Scharioth: „Wie sich Richard Grenell verhält, ist völlig ungewöhnlich.“ Ein Botschafter müsse nicht nur die Interessen seines Heimatlandes vertreten, sondern auch beobachten, was im Land passiert und dies nach Hause berichten. Zudem sei es seine Aufgabe, Brücken zu bauen. Seine Meinung zu inneren Angelegenheiten des Gastlandes kundzutun, sei unklug: „Sie haben nur so viel Einfluss im Gastland, wie Sie Zugang haben.“ Erwerbe ein Diplomat den Ruf, dass seine Ratschläge nicht zielführend seien, werde sein Rat seltener gesucht. Dies untergrabe sein Ansehen: „Grenell muss sich entscheiden: Will er ein wirksamer Botschafter sein oder nicht?“

Von dem Gespräch im Auswärtigen Amt erwartet Scharioth klare Worte. „Ich bin sicher, Staatssekretär Michaelis wird kein Blatt vor den Mund nehmen.“ Hinterher werde es im schönsten Diplomatendeutsch wohl heißen: „Das Gespräch verlief offen. Die deutsche Seite teilte aber nicht alle Ansichten.“

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